Verbraucherschutz und Produktsicherheit

Umweltzeichen: Unterschiedlicher Anspruch bei der Überarbeitung

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Maßgeblich für den Erfolg eines Umweltzeichens ist es, wie gut das komplexe Gleichgewicht zwischen hohen Umwelt- und Verbraucherschutzstandards und der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit gewahrt wird und somit echte Nachhaltigkeit erzielt werden kann. Intensive Diskussionen zwischen den Stakeholdern sind dabei normal, allerdings sollte ein ausgewogener und vor allem wissenschaftsbasierter Diskurs vorherrschen.

Grafische Druckerzeugnisse, wie Bücher, Kataloge, Zeitungen und Prospekte sind Verbraucherprodukte, die bereits heute in hohem Maße zur Kreislaufwirtschaft beitragen – die Recycling­rate für Papier lag beispielsweise 2019 in Europa bei 72 %. Es verwundert daher nicht, dass es auch viele Umweltzeichen gibt, die Vorgaben für diese Produktgruppe definieren, z. B. das EU Ecolabel, den deutschen Blauen Engel, das österreichische oder das Nordische Umweltzeichen. Aktuell werden die Kriterien für alle diese Umweltzeichen überarbeitet.

Dabei fällt jedoch auf, dass der Anspruch an die Ausgewogenheit und Wissenschaftlichkeit im Überarbeitungsprozess sehr unterschiedlich ausfällt. Dies soll hier am Beispiel des Blauen Engels und des EU Ecolabels verdeutlicht werden. Bei beiden Umweltzeichen hat sich der VdL, zusammen mit der EuPIA und den Experten aus den Mitgliedsunternehmen, mit hohem Ressourceneinsatz an der Überarbeitung beteiligt.

EU Ecolabel

Positiv ist dabei das EU Ecolabel hervorzuheben, dessen Überarbeitung praktisch abgeschlossen ist. Das Joint Research Center (JRC) der EU-Kommission hat fast ein Jahr in die Hintergrundrecherche investiert, einschließlich Umfragen und Diskussionen mit Experten und Interessengruppen, und schließlich einen sehr detaillierten Hintergrundbericht vorgelegt. Die vor­­geschlagenen Kriterien wurden in einem wissenschaftlich fundierten technischen Bericht ausführlich erläutert und rationalisiert. Auch wenn die finalen Kriterien aus Sicht der Druckfarbenindustrie natürlich einen Kompromiss darstellen, waren der Prozess und die Debatte sachlich und wissenschaftsbasiert.

Blauer Engel

Anders stellte sich der Prozess zur Überarbeitung des Blauen Engels für Druckerzeugnisse (DE-UZ- 195) dar. Anstatt einer faktenbasierten Analyse, welche Kriterien zu einer höheren Nachhaltigkeit führen, schien hier meist der Wunsch nach einer Verschärfung einzelner Kriterien als Selbstzweck vorzuherrschen, ohne die Kriterien und deren Folgen einer sorgfältigen Analyse zu unterziehen. Es wurden viele Fakten und Argumente der Industrie kommentarlos ignoriert. Am gravierendsten wiegt, dass Kompromisse, die in der Expertenanhörung erzielt worden waren, im Nachgang ohne Absprache verändert wurden. Dies ist aus Sicht des VdL inakzeptabel und untergräbt die Vertrauensbasis.

Der VdL hat sich daher an das Umweltbundesamt gewandt und auf diese Problematik hingewiesen. Die neuen Kriterien sollen im Dezember in der Jury Umweltzeichen verabschiedet werden. Es bleibt zu hoffen, dass man auch beim Blauen Engel für Druckerzeugnisse wieder zu einem ausgewogenen und wissenschaftsbasierten Diskurs zurückkehrt.


Dr. Christof Walter
ist beim VdL Referent für die Bereiche
Biozide, Druckfarben und Produktinformationen.
walter@vci.de

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