Lacke & Farben aktuell

Zwischen H o f f n u n g und Nahostkrise

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Der weiter schwelende Nahostkonflikt verschärft den Kostendruck und belastet die globalen Lieferketten. Trotz neuer Impulse durch staatliche Investitionen wird für den deutschen Farben- und Lackmarkt 2026 ein Absatzrückgang von rund 2 % erwartet.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit sechs Jahren in einer Schwächephase und liegt lediglich auf dem Niveau von 2019. Nachdem die Wirtschaftsleistung 2025 nur um 0,2 % gewachsen ist, erwartet das ifo Institut für die Jahre 2026 und 2027 eine moderate Erholung. Gestützt wird diese Entwicklung vor allem durch steigende Staatsausgaben, während die Folgen des Nahostkonflikts die Aussichten weiterhin belasten.

Das ifo Institut erwartet für die Jahre 2026 und 2027 jeweils ein Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 0,8 %. Dabei wurde in der am 18. Juni veröffentlichten Prognose unterstellt, dass der Konflikt im Nahen Osten in den darauffolgenden Wochen beigelegt und die Straße von Hormus dauerhaft geöffnet wird.

Die Folgen der Eskalation im Nahen Osten in den zurückliegenden Monaten belasten auch die Lack- und Farbenbranche: Höhere Rohölpreise verteuern zentrale petrochemische Vorprodukte wie Bindemittel, Lösungsmittel und Harze und erhöhen dadurch die Produktionskosten. Zusätzlich geraten die globalen Lieferketten unter Druck, insbesondere auf den Handelsrouten zwischen Asien und Europa. Umleitungen im Seeverkehr, längere Transportzeiten und steigende Frachtraten führen zu höheren Logistikkosten und erschweren die Beschaffung von Vorprodukten.

Insgesamt wird für den Gesamtmarkt von Farben und Lacken für 2026 ein weiterer Rückgang der Verkaufsmengen um rund 2 % erwartet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass unsere aktuellste Prognose (Stand: Mai) unterstellt, dass der Konflikt im Nahen Osten bis Mitte des Jahres endet. Bisher ist dies nicht vollständig eingetreten. Daher sind die Prognosen mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet.

Industrielacke bleiben 2026 stabil, Korrosionsschutz bleibt auf Wachstumskurs 

Bei den Industrielacken prognostizieren wir weiterhin eine stabile Entwicklung. Wir haben unsere Prognose gegenüber der letzten Ausgabe von „Wir sind Farbe“ unverändert bei 0 % belassen. Die Branche profitiert von der erwarteten Stabilisierung des Verarbeitenden Gewerbes.

Während sich die Lage im Bereich der allgemeinen Industrie etwas schwächer darstellt als bislang erwartet, beurteilen wir die Entwicklung im Möbel- und Holzbereich inzwischen etwas positiver, was die Aussichten für Industrielacke stützt. 

Der Markt für Korrosionsschutz entwickelt sich weiterhin positiv, auch wenn sich das Wachstum etwas abschwächt. Wichtige Impulse kommen von den öffentlichen Investitionen.

Bautenanstrichmittel: Prognose 2026 nach unten korrigiert Im Bereich der Bautenanstrichmittel mussten wir unsere Prognosen für 2026 nach unten anpassen: Für Bautenfarben und Putze erwarten wir nun einen Rückgang von 3,5 % statt bislang 3 %. Ausschlaggebend hierfür ist vor allem die schwächere Entwicklung des DIY-Segments, für das wir nun ein Minus von 3,0 % statt bisher 2,0 % prognostizieren. Hintergrund ist insbesondere die gestiegene Inflation, die die Kaufkraft der privaten Haushalte belastet. Die daraus resultierende Konsumzurückhaltung dämpft die Ausgaben für Renovierungen.

 

Bastian Herfel

Referent Wirtschaft & Finanzen

Tel.: 069 2556-1713

eMail: herfel@vci.de

 

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