Die Bewertung und anschließende europaweite Einstufung des Minerals Talk droht sich zu verschärfen. Eine sozioökonomische Studie und weitere Aktivitäten sollen nun die Bedeutung des Stoffes auch für Lacke und Farben herausstreichen und für eine differenzierte Bewertung in der EU sorgen.
Der CLH-Prozess zur harmonisierten Einstufung von Talk hat sich seit seinem Start im April 2023 deutlich verschärft. Während die niederländische Behörde RIVM zunächst eine Einstufung als kanzerogen Kat. 2 und STOT RE 1 vorgeschlagen hatte, kam das „Risk Assessment Committee“ (RAC) im Juli 2025 zu einer deutlich strengeren Empfehlung: kanzerogen Kat. 1B (H350) und STOT RE 1 (H372). In der Folge wurde Talk in die Liste der Stoffe für die 25. ATP zur CLP-Verordnung aufgenommen.
Finale Entscheidung in Q4/2026?
Die finale Entscheidung wird derzeit für das vierte Quartal 2026 erwartet. Der Zeitplan sieht anschließend Konsultations-, Notifizierungs- und Umsetzungsphasen bis hin zu einem möglichen Inkrafttreten im Jahr 2028 vor. Gleichzeitig bestehen weiterhin Unsicherheiten, unter anderem durch die Forderung nach einer erneuten Bewertung des RAC, dem Ausschuss für Risikobewertung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA.
Vor diesem Hintergrund haben die Verbände ihre Aktivitäten deutlich intensiviert. Der Verband EUROTALC hat eine umfassende wissenschaftliche Position erarbeitet und diese im CARACAL-Meeting Ende Januar vorgestellt. Ein zentrales Ziel ist es, eine erneute RAC-Bewertung zu erreichen und damit eine mögliche Anpassung der Einstufungsempfehlung zu erwirken.
Dieses Anliegen wird ausdrücklich vom VdL sowie von CEPE unterstützt. Parallel führt CEPE derzeit eine sozioökonomische Studie durch, um die Auswirkungen einer strengen Einstufung entlang der Wertschöpfungskette zu quantifizieren und die Argumentation gegenüber politischen Entscheidungsträgern weiter zu untermauern. Ergebnisse dieser Studie werden im Herbst erwartet.
EU-Kommission zeigt offenere Haltung
Auch auf nationaler Ebene ist der VdL aktiv: Gemeinsam mit EUROTALC und Vertretern der Papierindustrie wurde ein Schreiben an das Bundeswirtschaftsministerium und die „Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin“ (BAuA) gerichtet, um frühzeitig auf die industriepolitischen Konsequenzen hinzuweisen und für eine differenzierte Bewertung zu werben. Positiv ist, dass die Europäische Kommission aktuell eine etwas offenere Haltung erkennen lässt. Diskutiert werden sowohl eine vertiefte wissenschaftliche Prüfung als auch mögliche Anpassungen im weiteren Verfahren.
Aus Sicht des VdL bleibt es entscheidend, den Prozess weiterhin eng zu begleiten, um eine ausgewogene und wissenschaftlich fundierte Regulierung sicherzustellen.

