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Holzbau im Aufschwung

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Dank seiner außerordentlichen Material- und Umwelteigenschaften erlebt Holz einen regelrechten Boom als Baustoff. Um sein Potenzial für eine nachhaltige Bauweise voll auszunutzen, sind Schutz und Veredelung der Holzoberfläche durch leistungsfähige Beschichtungen unverzichtbar. In dieser kurzen Serie - Holzlacke - Teil 1 wollen wir verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie Materialien aus Holz effektiv, dauerhaft und umweltverträglich geschützt werden können.

Holz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Baumaterialien entwickelt. Lag die Holzbauquote bei Neubauten in Deutschland 2000 noch bei 11 %, hat sie sich mittlerweile mehr als verdoppelt. Rund 28 % aller Ein- und Zweifamilienhäuser werden in Holz- bzw. Holz-Hybrid-Bauweise errichtet, ähnlich hohe Werte erreichen gewerbliche und öffentliche Bauten wie beispielsweise Hotels, Lager- und Fabrikhallen, Museen, Schulen oder Kindergärten. Der technische Fortschritt im industriellen Holzbau erlaubt mittlerweile, auch Großprojekte in Holzbauweise zu realisieren: Das größte Hochhaus in Holzbauweise in Deutschland, das 2024 eröffnete „roots” in der HafenCity Hamburg, erreicht mit 20 Geschossen eine Höhe von ca. 65 m. Noch höher ist mit 84 m das Holz-Hybrid-Hochhaus HoHo in Wien, das einen Holzanteil von ca. 75 %aufweist. Durch die modulare Vorfertigung großer Elemente ist dabei eine äußerst effiziente Bauabwicklung möglich.

Natürlicher CO2-Speicher

Der Boom des Holzbaus ist untrennbar mit einem steigenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit verbunden, das sich auch in Zertifizierungen (wie DGNB, BNB und QNG) spiegelt, die vor allem bei öffentlichen Bauvorhaben zunehmend gefordert werden. Diesbezüglich bietet Holz mehrere entscheidende Vorteile: Während beispielsweise Beton – insbesondere durch die chemischen Prozesse und den hohen Energiebedarf bei der Zementherstellung – einen CO2-Fußabdruck von rund 300 kg pro Kubikmeter aufweist, fungiert Holz als natürlicher Kohlenstoffspeicher, der rund 1.000 kg Kohlendioxid pro Kubikmeter binden kann. Darüber hinaus benötigt Holz in der Produktion – z.B. bei der Verarbeitung im Säge- und Hobelwerk verhältnismäßig wenig Energie, die noch dazu häufig aus biogenen Abfallstoffen wie z.B. Rinde und Sägespänen gewonnen werden kann. Hochgerechnet verursacht ein Einfamilienhaus, das in Beton- bzw.  Stahlbetonbauweise realisiert wird, während der Bauphase CO2-Emissionen von 80 bis 120 Tonnen. Dasselbe Gebäude in Holzbauweise kann dagegen im Optimalfall sogar einen negativen CO2-Fußabdruck aufweisen. 

Nachwachsend und vielseitig

Die nachhaltigen Materialeigenschaften von Holz beschränken sich jedoch nicht auf seinen CO2-Fußabdruck. Anders als bei Beton, Stahl oder Ziegel handelt es sich bei Holz um eine nachwachsende Ressource, die sich selbst regeneriert. Eine verantwortungsvolle Forstwirtschaft erhält intakte Wälder, die als „grüne Lungen“ einen unverzichtbaren Bestandteil eines gesunden Öko-Systems mit positiven Auswirkungen auf Luft-, Boden-und Wasserqualität darstellen. Alle Bestandteile eines Baumes können verwertet werden, von Brettern und Balken über Furniere bis zu Holzpellets und Rindenmulch. Durch seine Vielseitigkeit können nahezu alle Bauelemente aus Holz gefertigt werden: tragende Konstruktionen, Fassaden, Fenster und Türen, der gesamte Innenausbau sowie das Mobiliar. Am Ende seiner Lebensdauer kann Holz in Form einer Kaskadennutzung vielfach wiederverwertet werden und so als Ressource in den Kreislauf zurückkehren. Darüber hinaus weist Holz hervorragende Dämm-eigenschaften auf, die sich positiv auf den Energiebedarf des Gebäudes auswirken. Und nicht zuletzt zeichnet sich Holz durch seine Ästhetik und seine gestalterische Vielseitigkeit aus, wodurch es zum gefragten Material in der modernen Architektur geworden ist.

Ganzheitlicher Ansatz

Die Betrachtung von Holz als nachhaltiger Baustoff darf sich allerdings nicht auf die reinen Materialeigenschaften beschränken, sondern erfordert eine ganzheitliche Perspektive, die die gesamte Liefer- und Wertschöpfungskette sowie den Produktlebenszyklus integriert. Ein entscheidender Faktor ist die Materialherkunft: Nur bei Hölzern aus zertifizierter Forstwirtschaft ist garantiert, dass die Wälder durch Wiederaufforstung und Erhalt der Biodiversität intakt bleiben. Die Verarbeitung heimischer Hölzer stellt darüber hinaus kurze Lieferwege sicher, die ansonsten – vor allem beim Transport mittels Lkw – den CO2-Fußabdruck drastisch erhöhen können. Beides ist heute problemlos möglich, denn 90 %der Waldflächen in Deutschland sind zertifiziert, und alle gängigen Anforderungen in der Bauwirtschaft lassen sich durch heimische Hölzer abdecken: Von Nadelhölzern wie Fichte, Tanne, Lärche und Douglasie, die besonders vielfältig einsetzbar sind, bis zu Laubhölzern wie Eiche, Buche, Ahorn, Esche oder Nuss, die sich v.a. für den Fenster-, Möbel- und den Innenausbau eignen. Am anderen Ende des Produktlebenszyklus garantiert ein über die Bau- und Nutzungsphase hinausreichendes Konzept, dass die Materialien im Sinne der Kreislaufwirtschaft erneut einer hochwertigen Nutzung zugeführt werden können.

Oberflächenschutz als Schlüsselfaktor

Um das Potenzial von Holz als nachhaltiges Baumaterial optimal zu nutzen, sind Schutz und Veredelung der Oberfläche durch eine hochwertige Beschichtung unverzichtbar. Das gilt besonders für bewitterte Bereiche, also beispielsweise für Fassaden und Balkone, Fenster und Haustüren, aber auch für Holzterrassen, Zäune oder Vordächer. Denn als „lebendiges” Material ist Holz zahlreichen Umwelteinflüssen ausgesetzt: Mikroorganismen wie beispielsweise fäulniserregende Pilze, Schimmel oder Algen sowie Insekten können die Substanz des Holzes angreifen.

Beschichtungen plus konstruktiver Holzschutz

Dabei spielt der Feuchtegehalt des Holzes eine entscheidende Rolle, denn ab einer Holzfeuchte von über 20 % finden Mikroorganismen einen guten Nährboden vor.
Ein zweiter Faktor ist UV-Strahlung: Sie bewirkt, dass Lignin – der „Klebstoff” des Holzes, der die Zellulosefasern zusammenhält – abgebaut wird, wodurch die Holzoberfläche vergraut und verwittert. Im Zusammenspiel mit konstruktivem Holzschutz – z.B. durch Dachüberstände, Trennlagen oder hinterlüftete Fassaden, die das Feuchtigkeitsmanagement verbessern – bietet eine Beschichtung mit geeigneten Lasuren, Holzfarben, Lacken oder Ölen verlässlichen Schutz vor diesen Umwelteinflüssen. Die Beschichtung reduziert die Wasseraufnahme des Holzes, Farbpigmente absorbieren UV-Strahlung, und ein robuster Oberflächenfilm bietet zusätzlichen Schutz vor Abwitterung. Dadurch kann die Lebensdauer von Holzbauteilen wesentlich verlängert werden, sodass die Beschichtung entscheidend zur Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit bei der Verarbeitung von Holz beiträgt.

Umweltschonendes Beschichtungsmaterial
In einem nachhaltigen Gesamtkonzept spielen selbstverständlich auch die Materialeigenschaften der Beschichtung eine Rolle. Wasserbasierte Produkte sind dabei klar im Vorteil, denn während lösemittelbasierte Holzlasuren oftmals einen VOC-Gehalt von weit über 60 % aufweisen, liegt dieser Wert bei wasserbasierten Produkten häufig im niedrigen einstelligen Bereich. Dadurch werden nicht nur umweltschädliche Lösemittelemissionen bei der Verarbeitung, sondern auch der CO2-Fußabdruck des Produkts massiv reduziert. Einen noch höheren Nachhaltigkeitsstandard erfüllen Produkte, die zu einem hohen Anteil auf Basis natürlicher und nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden, wobei erdölbasierte durch biobasierte Grundmaterialien ersetzt werden.

Systemvielfalt im Holzschutz
Je nach Anwendungsbereich unterliegen Beschichtungen unterschiedlichen Anforderungen. Holzlasuren für nicht maßhaltige Bauteile wie z.B. Fassaden sind auf ihre feuchtigkeitsregulierende Wirkung hin optimiert. Eine stark diffusionsoffene Oberfläche ermöglicht einen funktionierenden Feuchtigkeitsausgleich und wirkt einer dauerhaften Durchfeuchtung des Holzes entgegen. Bei Beschichtungen für maßhaltige Holzbauteile – wie z.B. Fenster und Haustüren – gewährleisten eine höhere Schichtstärke sowie ein geschlossener, belastbarer Lackfilm einen wirksamen Oberflächenschutz. Solange der Lackfilm physikalisch intakt ist, wird das Eindringen von Feuchtigkeit und holzzerstörenden Mikroorganismen weitgehend verhindert. Alternativ dazu können maßhaltige Bauteile auch geölt werden, was jedoch eine regelmäßige Nachpflege erfordert, um den Oberflächenschutz zu erhalten. Verarbeitern steht heute eine große Vielfalt an Beschichtungen zur Verfügung, die in Bezug auf ihre Verarbeitungseigenschaften, ihre Schutzfunktion sowie die Optik der Oberfläche optimiert und teils mit Zusatzfunktionen ausgestattet sind. So lässt sich beispielsweise der UV-Schutz durch reflektierende Metallic-Pigmente – die die Oberfläche darüber hinaus auch ästhetisch aufwerten – verbessern. Alternativ können hochtransparente Beschichtungen, die v.a. bei Fenstern und Pfosten-Riegel-Elementen zunehmend gefragt sind, mit speziellen Lichtschutzkomponenten ausgestattet werden, die den fehlenden Pigmentschutz kompensieren und Verfärbungen des Holzes stark reduzieren. Spezielle Vorvergrauungslasuren sind auf maximale Langlebigkeit und niedrigen Wartungsaufwand hin ausgerichtet. Diese Lasuren nehmen die natürliche Vergrauung des Holzes vorweg, sodass im Verlauf der Jahre durch einen kontrollierten Abwitterungsprozess die technische Vorvergrauung gleichmäßig in die natürliche Holzvergrauung übergeht. So bleibt ein homogenes Erscheinungsbild der Fassade dauerhaft gewahrt und aufwendige Renovieranstriche können vermieden bzw. reduziert werden.

Autor: Dr. Albert Rössler

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