Lacke & Farben aktuell

Endlich positive Signale

|   Startseite weiß

Gesamtwirtschaftliche Erholung gewinnt an Fahrt,globale Entwicklungen bleiben aber ein starker Risikofaktor.

Das Ifo-Institut geht weiterhin von einer Erholung der deutschen Wirtschaft aus. Für 2026 erwartet das Institut ein Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,4 % und für 2027 von 1,2 %. Gegenüber der Sommerprognose wurde die Wachstumserwartung damit für 2026 um 0,6 Prozentpunkte und für 2027 um 0,4 Prozentpunkte angehoben. Die günstigere Einschätzung erklärt das Ifo-Institut unter anderem damit, dass in der Sommerprognose die Impulse durch die Finanzpolitik und aus dem Ausland unterschätzt wurden. Gleichzeitig wurden die bremsenden Auswirkungen des Energiepreisschocks durch die Sperrung der Straße von Hormus überschätzt.

Unternehmensstimmung hellt sich auf

Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts zeigt, dass sich außerdem die Unternehmensstimmung in Deutschland im August deutlich aufgehellt hat: Der Index stieg von 86,7 Punkten im Juli auf 88,8 Punkte im August. Dabei bewerteten die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen positiver. Das Geschäftsklima verbesserte sich sowohl im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor als auch im Handel und im Bauhauptgewerbe. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts setzt sich die wirtschaftliche Erholung trotz des erneuten Energiepreisanstiegs fort.

Erholung im Bau noch nicht gefestigt

Auch im Baugewerbe zeichnet sich eine Erholung ab, die nach Einschätzung des „Kiel Instituts für Weltwirtschaft“ (IfW Kiel) allerdings noch fragil ist.
Für 2026 erwartet das Institut noch einen Rückgang der Bauinvestitionen um 1,0 %, für 2027 dagegen einen Anstieg um 2,3 %. Auch im Wohnungsbau mehren sich angesichts steigender Baugenehmigungen die positiven Signale. Höhere Preise und Zinsen dürften den Aufschwung jedoch dämpfen.

Industrie lässt die Talsohle hinter sich

Nach einer längeren Schwächephase zeichnet sich im Verarbeitenden Gewerbe eine Erholung ab. Seit 2023 war die Bruttowertschöpfung trotz zwischenzeitlicher Erholungsphasen insgesamt abwärtsgerichtet. In den vergangenen drei Quartalen ist sie jedoch wieder gestiegen. Nach Einschätzung des IfW Kiel ist die Talsohle inzwischen durchschritten. Dafür sprechen auch das verbesserte Geschäftsklima und die wieder aufwärtsgerichteten Auftragseingänge. Blickt man auf die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, sind die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Juli zum dritten Mal in Folge gestiegen. Die realen, saison-und kalenderbereinigten Bestellungen lagen 2,5 % über dem Vormonat. Diese positive Entwicklung gegenüber dem Vormonat wurde allerdings fast vollständig von Großaufträgen im sonstigen Fahrzeugbau getragen. Dort haben sich die Auftragseingänge aufgrund außergewöhnlich großer Bestellungen, insbesondere im Schiff-, Schienenfahrzeug- und Flugzeugbau, gegenüber Juni mehr als verdoppelt (+126,4 %). In der Automobilindustrie gingen die Bestellungen dagegen um 12,5 % zurück.

Für den weiteren Verlauf erwartet das IfW Kiel allerdings nur eine moderate Erholung. Das Wachstum dürfte sich wieder etwas abschwächen; insbesondere die weiter rückläufige Wettbewerbsfähigkeit bleibt ein Belastungsfaktor für die deutsche Industrie. Zudem wurde die Industrie zuletzt teilweise durch vorübergehende Sondereffekte gestützt: Infolge des Irankriegs profitierte sie offenbar kurzfristig von drohenden Lieferengpässen und Produktionsstörungen bei Wettbewerbern in anderen Regionen. Im laufenden dritten Quartal dürfte zudem das Niedrigwasser im Rhein die Produktion spürbar belasten. Nach einer Erholung zum Jahresende rechnet das Kiel Institut für den weiteren Prognosezeitraum nur mit moderaten Zuwächsen der Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe.

Positive Impulse für die Lack- und Farbenindustrie

Für die Lack- und Farbenindustrie verbessert sich damit das konjunkturelle Umfeld. Insbesondere für Industrielacke ist die Stabilisierung im Verarbeitenden Gewerbe ein positives Signal.
Angesichts der bislang moderaten und nicht breit getragenen Industrieerholung dürften die Nachfrageimpulse jedoch begrenzt bleiben. Bautenfarben und Putze könnten vor allem von einer weiteren, wenn auch gedämpften Erholung im Wohnungsbau profitieren.

 

Autor: Bastian Herfel

Zurück