| Bettina Heyne (58) ist seit November 2025 die neue Vorsitzende des VdL-Ausschusses Kommunikation. Die studierte Betriebswirtin ist seit 1993 bei Keimfarben und verantwortet beim Diedorfer Farbenhersteller die Bereiche Marketing und Innovation. Heyne bezeichnet sich als „Familienmensch“, hat einen erwachsenen Sohn und wohnt in Augsburg. Sie interessiert sich für Musik und Malerei und engagiert sich nebenher für soziale Belange. |
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Frau Heyne, bitte erzählen Sie uns etwas von sich. Wie sind Sie zur Farbenbranche gekommen und wie führte Ihr Weg bei Keimfarben zur „Leiterin Marketing & Innovation“?
Ich bin im Allgäu aufgewachsen und habe nach dem Abitur und einem halbjährigen Praktikum bei der EG-Kommission BWL studiert. Im Anschluss führte mich mein Weg 1993 zu Keimfarben nach Diedorf – das war eher zufällig. Ich wollte im Marketing arbeiten und habe dort als Berufseinsteigerin eine tolle Chance bekommen. Und Farbe und Gestaltung waren seit jeher Themen, die mich begeistern. Im Laufe der Jahre konnte ich in verschiedenen Funktionen und Positionen viele Erfahrungen sammeln – so war ich nach meinem Einstieg im Marketing einige Jahre als Area-Manager im Auslandsvertrieb tätig, habe in dieser Zeit zwei Tochtergesellschaften mitgegründet und aufgebaut und bin dann später ins Produktmanagement gewechselt. Diesen Bereich gab es bis dato nicht – so konnte ich auch hier wieder Neues schaffen und gestalten. Ich habe Freude daran, etwas voranzubringen und Verantwortung zu übernehmen. 2014 wurde mir dann – nach einigen Jahren als Leiterin Marketing & Produktmanagement – der Geschäftsbereich „Marketing & Innovation“ übertragen. Diese Aufgabe ist aufgrund der Vielfalt der Themen extrem spannend, und ich fühle mich nach wie vor sehr wohl in der Farbenbranche und bei Keimfarben.
Wir leben in einer medial fordernden Zeit: Was ist 2026 die größte strategische Herausforderung für Kommunikationsabteilungen?
Ich denke, eine zentrale Rolle spielt neben dem Was zunehmend auch das Wie. Wir bewegen uns in einer multimedialen Welt, die uns allein aufgrund der Fülle an Informationen schnell überfordert. Deshalb besteht die Kunst erfolgreicher Kommunikation darin, die richtige Botschaft in der richtigen Dosis, möglichst authentisch, klar und leicht verständlich zu platzieren – zielgruppengerecht und auf dem geeigneten Kanal. Nur so wird sie gehört und verstanden.
Welche Rolle spielen KI-Tools konkret? Wie nutzen Sie Künstliche Intelligenz konkret in der täglichen Kommunikationsarbeit?
KI ist aus der heutigen Kommunikationsarbeit nicht mehr wegzudenken. Allerdings sehe ich darin primär Werkzeuge, die die Arbeit erleichtern, und die es richtig einzusetzen gilt. Für besonders wichtig halte ich, dass wir KI nur für Sachgebiete nutzen, zu denen eine eigene fundierte Kompetenz besteht.
Was möchten Sie als Vorsitzende im Ausschuss konkret angehen? Wie sehen Sie die Rolle des Ausschusses?
Der Ausschuss Kommunikation ist eine Stimme des Verbands nach innen und außen. So vielfältig die Aufgaben der Verbandsarbeit sind, so vielfältig muss auch die Kommunikationsarbeit sein. Dabei sehe ich persönlich zwei Schwerpunkte: Der Wert und die Erfolge der Verbandsarbeit müssen für alle Mitgliedsunternehmen sichtbar und spürbar sein – das kann nur über eine gute Kommunikationsarbeit nach innen gelingen. Nach außen sind wir als VdL in erster Linie die Interessensvertretung unserer Mitgliedsunternehmen – insbesondere bei den Themen, die außerhalb der Einflussmöglichkeit einzelner liegen. Daher ist eine klare Positionierung zu branchenrelevanten Fragen gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit wichtig. Dafür möchte ich mich gerne einsetzen.
Stichwort bei „125 Jahre VdL“ war „Die Kraft der Mitglieder“: Wie gelingt es, unterschiedliche Interessen der Mitgliedsunternehmen kommunikativ zu bündeln und dennoch mit einer klaren Stimme zu sprechen?
Persönlich halte ich zwei Punkte für entscheidend: Zum einen gilt es, den Input aus den verschiedenen Gremien und Fachgruppen strukturiert zusammenzutragen, zu verdichten und in klare Kernbotschaften zu übertragen. Zum anderen halte ich aber auch eine regelmäßige Beteiligung der Mitgliedsunternehmen zu strategischen Fragestellungen in Form von Umfragen für wichtig.
Wie sollte sich ein Verband in gesellschaftlich sensiblen Debatten (z. B. Nachhaltigkeit, Regulierung, Fachkräftemangel) positionieren?
Wer keine Position bezieht, wird nicht gehört. Daher halte ich klare Positionen für wichtig.
Wie bemisst sich der Einfluss von Verbandskommunikation – eher über mediale Reichweite, politische Wirkung oder die Mitgliederzufriedenheit?
Ich denke, erfolgreiche Verbandskommunikation ist nicht eindimensional. Erfolg bemisst sich hier aus einem Mix aus Mitgliederzufriedenheit, öffentlicher Wahrnehmung und politischer Wirkung.
Das Gespräch führte Alexander Schneider

