Verbraucherschutz und Produktsicherheit

Farben brauchen Schutz

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Bis auf wenige Ausnahmen benötigen wasserbasierte Farben und Lacke Schutz vor mikrobiellem Befall, andernfalls drohen sie zu verderben. In die verfahrene Diskussion um einen ganzheitlichen Ansatz bei der Bewertung scheint nun Bewegung zu kommen.

 
Betrachtet man die bei den Topfkonservierern geplanten, weiteren Einschränkungen, wird offenkundig, dass ein Wirkstoff nach dem anderem für die Branche nicht mehr zur Verfügung steht. Konkret bedeutet dies, dass die einzelnen Wirkstoffe mit Anwendungseinschränkungen belegt werden, durch die sie nicht mehr einsetzbar sind, was einem faktischen Verbot gleichkommt. In der Tat sieht die momentane Praxis so aus, dass jeder Stoff in einem starrformalistischen Prozess einzeln bewertet und mit Beschränkungen belegt wird, ohne das berücksichtigt wird, welche Konsequenzen dies für die Endanwendung hat. Dies hat dazu geführt, dass die zukünftige Konservierung von wasserbasierten Formulierungen insgesamt in Frage gestellt ist.

Wichtig: ein ganzheitlicher Ansatz

 
Seit langem fordert die Industrie daher einen ganzheitlichen Ansatz. Ein breites Bündnis von Verbänden nachgeschalteter Anwender (unter Anderem CEPE) hat auf europäischer Ebene schon frühzeitig dafür geworben. Bei diesem Ansatz sollen mehrere Wirkstoffe gemeinsam bewertet werden, wobei neben den üblichen Kriterien (z.B. toxikologische Eigenschaften) auch die dahinterstehende Anwendung berücksichtigt werden soll. Nur so können sinnvolle Beschränkungen definiert werden, die ein hohes Level an Umweltund Verbraucherschutz sicherstellen und gleichzeitig eine hinreichende Konservierung ermöglichen. Dadurch könnten nachhaltige lösemittelfreie Farben und Lacke auch in Zukunft produziert werden. Konkret erfordert ein ganzheitlicher Ansatz, dass z.B. bei der Festlegung von Grenzwerten berücksichtigt wird, welche Menge des Stoffes für eine Konservierung überhaupt erforderlich ist. Ferner muss in die Diskussion Eingang finden, dass gewisse Kombinationen von Wirkstoffen nötig sind, um Wirkungslücken zu schließen. Es wäre wenig geholfen, wenn am Ende nur Wirkstoffe genehmigt würden, die eine Wirkungslücke z.B. beim gleichen Bakterienstamm aufweisen.

Erste positive Signale aus den Behörden

In den vergangenen Jahren war die Resonanz der EU-Kommission sowie der nationalen Ministerien und Behörden auf den Industrievorschlag verhalten. Allerdings scheint sich, zumindest in Deutschland, diese Haltung langsam zu wandeln. Gegenüber dem VdL zeigten sich sowohl das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit als auch die bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) angesiedelte Bundesstelle für Chemikalien (BfC) an einem solchen Vorgehen grundsätzlich interessiert. Die Industrie wurde aufgefordert, einen konkreten Vorschlag vorzulegen. Aktuell arbeiten Experten des VdL und CEPE an einem entsprechenden Vorschlag. Der VdL begrüßt die Bereitschaft der deutschen Behörden, sich mit dem ganzheitlichen Ansatz auseinanderzusetzen. Zwar markiert dies erst den Beginn der Diskussion, aber es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung zur Sicherung der Zukunft wasserbasierter Farben und Lacke. 

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