Lacke & Farben aktuell

"Glaubwürdigkeit ist der Markenkern"

|   Lack im Gespräch

„Wir sind Farbe“: Lieber Herr Jansen, seit 33 Jahren sind Sie in der Farbenbranche tätig und schon lange in Ihrem Unternehmen an verantwortlicher Position. Aber mit der Wahl zum Präsidenten der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie haben Sie im Mai viel Verantwortung übernommen.

Peter Jansen: Ja. Ich übernehme mit Freude die Verantwortung für einen starken, innovativen  Verband mit fast 200 Mitgliedern. Über das große Vertrauen der Kollegen in Dresden habe ich mich sehr gefreut. Mir liegt dieser Verband am Herzen, ich glaube das ist für jeden sichtbar.

Wenn Sie sich den Mitgliedern mit 3 Attributen vorstellen müssten, welche Begriffe wären das?

Ich glaube, ich kann gut persönlich auf Menschen zugehen und sie motivieren. Ich habe den richtigen fachlichen Hintergrund und genug vom Verband gesehen, um die Aufgabe zu meistern. Und mir wird eine soziale Ader nachgesagt, auch die braucht man als Verbandspräsident. Das ist kein Selbstzweck: Mitarbeiter sind immer wichtig. Es geht nie nur um das Auftreten nach außen, sondern wie schaffe ich Motivation nach innen, um die beste Leistung abzurufen.

 

"Ich übernehme mit Freude die Verantwortung für einen starken,

innovativen Verband mit fast 200 Mitgliedern“


Erzählen Sie uns ein wenig von Ihrem Werdegang.

Ich habe eine bewegte schulische Vergangenheit hinter mir: In meiner Heimatstadt Bad Hersfeld  bin ich den 2. Bildungsweg gegangen, habe zunächst den Hauptschulabschluss und dann die mittlere Reife gemacht. Es folgte eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann in einem Einrichtungsgeschäft und  dann das nachgeholte Fachabitur. Zum Studium bin ich nach Köln gegangen und habe Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing und Rechnungswesen studiert. Ein Auslandsjahr verbrachte ich im englischen Middlesbrough, und nach der Diplomarbeit ging 1985 es mehrere Monate zu einem Camp in die USA. Der Übergang in die Arbeitswelt folgte dann ganz schnell. Ich habe lediglich 10 Bewerbungen geschrieben - und bin dann direkt zur Firma P.A. Jansen gegangen.

Sicher wegen des Namens?!

Nein, sicher nicht. (lacht) Wir sind auch weder verwandt noch verschwägert. Das war reiner Zufall. Jansen hat mir als ein Familienunternehmen gefallen. Und ich hatte in meiner Lehre in einem Geschäft für Farben, Tapeten und Fußbodenbeläge gearbeitet – da war Jansen für mich natürlich schon ein Begriff.

Seit 33 Jahren arbeiten Sie für einen Arbeitgeber und sagen „ich möchte keinen Tag davon missen“. Das ist mal eine Aussage in einer recht mobilen Branche. Was macht ein gutes Unternehmen aus?

Mir haben Familienunternehmen immer gefallen –  mit allen Vor- und Nachteilen. Dafür konnte ich viel mitgestalten, als Manager sehr viel entscheiden und recht früh so agieren, als sei es mein Unternehmen. Gut fand ich auch immer die Vielfalt an Tätigkeiten. So lag eine meiner ersten  Aufgaben im Umweltschutz. Dann kam schnell Kostenrechnung hinzu. Die EDV habe ich anfangs mit eingeführt, mich früh mit dem Internet beschäftigt. Sie sprechen gerne von einem solchen „Markenkern“. Braucht jede Firma eine solche Agenda?

Auf jeden Fall. Ein Markenkern gibt Orientierung. Ich kann fokussiert meine Botschaften absetzen. Der Markenkern beschreibt die Unternehmenswerte, die Eigenschaften, das Verhalten – intern und auch  gegenüber den Kunden und in der Kommunikation. Das ist auch psychologisch ganz wichtig.

Und welchen Markenkern könnte ein Verband haben?

Für einen Verband ist das Thema Glaubwürdigkeit ein ganz wichtiger Punkt. Hinter dem Wort Glaubwürdigkeit steckt Vertrauen, Seriosität, Zuverlässigkeit. Und ohne Glaubwürdigkeit ist das Thema Lobbyarbeit überhaupt nicht zu bewerkstelligen.

Sie sind seit Jahren in unserem Verband engagiert. Warum?

Naja, eine Schwäche kleinerer Unternehmen ist die Gefahr, im eigenen Saft zu schmoren. Verbandsarbeit bringt doch immer die Chance, sich mit anderen zu vernetzen und schnell an richtige und relevante Informationen zu kommen. Beim Verband bekommt man Anregungen und ist schnell auf dem Stand der wichtigen Themen. Ich habe früh aktiv mitgearbeitet und Ämter übernommen, weil ich glaube, dass der persönliche Austausch ganz wichtig ist. Nur wer aktiv ist, kann hier weiterkommen, sonst könnte ich auch Zeitung lesen. Beim Verband kann ich Information hinterfragen und die eigene Position austesten. Ich kann mich hier auch mit einer ganz anderen Qualität vernetzen. Der Verband sucht immer Akteure, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Solche Positionen sind nicht schnell zu besetzen. Ich war jung und wollte weiter Erfahrungen sammeln.

 

„Für einen Verband ist das Thema Glaubwürdigkeit ein ganz wichtiger Punkt.

Hinter dem Wort Glaubwürdigkeit steckt Vertrauen, Seriosität, Zuverlässigkeit.“

 

In welchen Funktionen waren Sie tätig?

Ich habe im Wirtschaftsrechtsausschuss angefangen. Ein Ausschuss, der sich mit aktuellen Wirtschaftsthemen beschäftigte und mit rechtlichen Fragen und Problematiken der Branche. Gedacht war der Ausschuss als Beratungsgremium für Präsidium und Geschäftsleitung. Zeitgleich habe ich in der Bezirksgruppe Rhein-Main angefangen und später deren Vorsitz übernommen. Die Fachgruppe Bautenanstrichmittel war für mich der wesentliche Bereich. Ich gehöre zu den Menschen, die Aufgaben übernehmen, wenn sie gefragt werden.

Solche Menschen gehen auch oft in die Politik …

Ich bin kein Politiker und werde auch nie in die Politik gehen. Ich bin ein politischer Mensch, aber stehe fern von Parteipolitik.

Was sagen Sie jemanden, der keinen Verband zu brauchen glaubt, der lieber alleine kämpft?

Es gibt Unternehmen, die sind groß genug und haben gezeigt, dass sie keinen Verband brauchen. Aber gerade Mittelständler profitieren von einem solchen. Wir haben extrem profitiert. Was man daraus macht, bleibt dann jedem selbst überlassen.

Was ist für Sie das Besondere an der Farbenbranche?

Ich bin mit dieser Branche seit dem 15. Lebensjahr verbunden. Das Thema Farben und Lacke liegt mir einfach, und ich habe es von der Produktseite kennengelernt, die Produkte selbst verarbeitet, vertrieben und verkauft. Es ist eine ganz spezielle Branche. Ich glaube schon, dass sich die Farbenindustrie dadurch auszeichnet, dass die Mitglieder – bei aller Konkurrenz – Kollegialität und großes Engagement zeigen. Das hat jetzt auch wieder die Teilnehmerzahl auf der Mitgliederversammlung in Dresden gezeigt. Wir haben eine große Bereitschaft, miteinander zu kommunizieren, gemeinsam die Dinge zu bewegen.

Apropos speziell: Spielt hier für Sie die Verbindung aus Wirtschaft und Ästhetik oder Wirtschaft und Kunst eine besondere Rolle?

Ich sehe das eigentlich eher technisch. Unsere Aufgabe ist es, tolle Lacke und Farben zu produzieren und gut zu verkaufen. Ich sehe uns nicht vor dem Hintergrund der Ästhetik. Auch wenn mir persönlich Malerei sehr viel Spaß macht, und ich mir auch alte und neue Meister anschaue.

Sie stehen einem  Verband mit einer unterschiedlichen Mitgliederstruktur vor, und wir befinden uns in wirtschaftlich unruhigem Fahrwasser. Was fasst das neue Präsidium zuerst an?

Der Verband ist nicht für die Marktentwicklung verantwortlich. Als Präsident geht es mir darum, dass wir als  Organisation gegenüber Politik und Öffentlichkeit unsere Standpunkte zum Wohle der Mitglieder vertreten. Wir können das anders machen als die Einzelunternehmen: Sachlich, kompetent und auch glaubwürdig rüberbringen, dass wir verantwortlich gegenüber der Umwelt einen gesellschaftlich wichtigen Part in dieser Wirtschaft spielen.

Wo sehen Sie in der Industrie aktuell Probleme?

Die heißen Eisen sind stoffpolitische Themen, im Moment Titandioxid und Konservierungsmittel. Hier werden wir in eine Ecke gedrückt. Wir haben uns zum Beispiel sehr stark um das Thema Lösungsmittelreduzierung gekümmert, haben auf wasserbasierte  Produkte gesetzt. Und jetzt, da der Wandel vollzogen ist, kommt man und fragt „Wie könnt ihr nur mit Konservierungsmitteln arbeiten?!?!“ Wir werden für Probleme verantwortlich gemacht, die an anderer Stelle entstehen, dann aber kritisch beäugt, weil Konservierungsmittel eben auch bei uns eingesetzt werden. Das ist natürlich ärgerlich.

Was halten Sie denen entgegen, die sagen: „Pech, ihr seid nun mal Chemie“?

Wir sind Chemie, und wir müssen uns weiter verantwortlich fühlen. Aber ich denke schon, dass man mit gleichen Maßstäben messen muss. Und da frage ich, warum Konservierungsmittel in Lippenstiften erlaubt sind, die angeblich in Farben zu Problemen führen, obwohl ich sie mir nicht jeden Tag auf die Haut schmiere.

Wo glauben Sie steht die Lackbranche in 20 Jahren?

Ich glaube, dass die Lack- und Druckfarbenindustrie gute Chancen hat, in 20 Jahren gut dazustehen. Beschichtungsstoffe werden immer gebraucht, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich an diesem Bedarf so viel ändert. Unsere Branche hat eine enorme Innovationskraft und die Weiterentwicklung findet jeden Tag auf hohem Niveau statt. Vor allem bei funktionalen Beschichtungsstoffen wird sich noch viel tun, da ist noch nicht alles zu Ende gedacht. Schutz wird weiter wichtig sein, der Bereich Hygiene ist ein Zukunftsfeld, und unser Projekt „Rendering/ CODES“ in der Fachgruppe Putzdekor hat ja gezeigt, dass die Städte sich entwickeln und welchen Beitrag Farben und Putze etwa zum Klimaschutz und zur Stadtentwicklung zu leisten imstande sind.

Gab es in Ihrem Leben so etwas wie einen Meilenstein oder eine Weiche, die sich gestellt hat?

Außer den privaten Meilensteinen wie meiner Hochzeit 1988 und Geburt der beiden Söhne  war ein wichtiger Punkt sicher die Berufung zum Geschäftsführer. Ich war 1992 noch sehr jung, und die Auswirkungen waren mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Das war mit Risiken verbunden, denn hinter diese Position kommt man nicht zurück. Damals habe ich aber die Gefahren und Grenzen nicht gesehen, ein Scheitern wäre ja jederzeit möglich gewesen. Ob es mich damals beeinflusst hätte, weiß ich nicht. Ich wollte ja Geschäftsführer werden.

Dann würden Sie sich also als risikofreudig bezeichnen?

Ja, auf jeden Fall.

Was sind für Sie bei Menschen unverzichtbare Charakterzüge?

 Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit aber auch Leistungsorientierung. Ich finde auch Siegeswillen immer spannend. Ich selbst habe Herausforderungen immer gerne angenommen. Ich glaube, dass ich ganz gerne im Fokus stehe. Dies bedeutet ja auch immer Entwicklung und die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Mir hat das im Leben auf jeden Fall immer geholfen, auch wenn ich mich manchmal überwinden musste.

Und womit kommen Sie gar nicht zurecht?

Mit nicht gehaltenen Versprechen, mit Ungerechtigkeiten. Dann versuche ich zwar die Dinge sachlich und nüchtern zu sehen, aber eigentlich bin ich doch ein emotionaler Mensch. Ich kann mich auch ziemlich aufregen und aufbrausend werden.

Lässt Ihnen der Job noch Zeit für Hobbys?

 Sogar für mehrere: Ich fahre gerne Mountainbike. Das ist mein sportlicher Ausgleich, da arbeite ich mich ab. Ich muss mindestens einmal in der Woche aufs Rad und mich bewegen, sonst fühle ich mich unwohl. Dann tanze ich gern mit meiner Frau Anne Kathrin – Standardtanz.  Seit 30 Jahren pflegen wir dieses gemeinsame Hobby. Das ist ein toller Ausgleich und hat auch einen sportlichen Aspekt. Und schließlich fotografiere ich noch gerne. Das bedient meine kreative Ader. Meistens fotografiere ich Landschaften und Detailaufnahmen, hier können Sie auch eine Verbindung zu Farben finden (lacht).

Wenn Sie eines Tages genug Zeit hätten, um andere Dinge zu tun. Was steht sofort auf der Agenda?

Reisen, reisen, reisen. Reisen ist das Tollste. Als erstes stünde Südafrika an. Aber auch Segeln hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, als ich das letztes Jahr ausprobiert habe. Da könnte ich mir auch einige Unternehmungen vorstellen.

 Haben Sie für sich einen besonderen Ort?

 Im letzten Urlaub in der Schweiz war es traumhaft schön, aber einen Traumort, den habe ich nicht.

Aber eine  Lieblingsfarbe müssen Sie doch haben?

Das ist schwierig. Aber je länger ich drüber nachdenke: dann ist es wohl blau. Warum? Vielleicht weil ich mich so sehe. Blau gibt Klarheit und Orientierung. Blau steht für Sachlichkeit. Ja, RAL 5010 oder sowas – Enzianblau. So ein Blau.

"Glaubwürdigkeit ist der Markenkern"

|   Lack im Gespräch

„Wir sind Farbe“: Lieber Herr Jansen, seit 33 Jahren sind Sie in der Farbenbranche tätig und schon lange in Ihrem Unternehmen an verantwortlicher Position. Aber mit der Wahl zum Präsidenten der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie haben Sie im Mai viel Verantwortung übernommen.

Peter Jansen: Ja. Ich übernehme mit Freude die Verantwortung für einen starken, innovativen  Verband mit fast 200 Mitgliedern. Über das große Vertrauen der Kollegen in Dresden habe ich mich sehr gefreut. Mir liegt dieser Verband am Herzen, ich glaube das ist für jeden sichtbar.

Wenn Sie sich den Mitgliedern mit 3 Attributen vorstellen müssten, welche Begriffe wären das?

Ich glaube, ich kann gut persönlich auf Menschen zugehen und sie motivieren. Ich habe den richtigen fachlichen Hintergrund und genug vom Verband gesehen, um die Aufgabe zu meistern. Und mir wird eine soziale Ader nachgesagt, auch die braucht man als Verbandspräsident. Das ist kein Selbstzweck: Mitarbeiter sind immer wichtig. Es geht nie nur um das Auftreten nach außen, sondern wie schaffe ich Motivation nach innen, um die beste Leistung abzurufen.

 

"Ich übernehme mit Freude die Verantwortung für einen starken,

innovativen Verband mit fast 200 Mitgliedern“


Erzählen Sie uns ein wenig von Ihrem Werdegang.

Ich habe eine bewegte schulische Vergangenheit hinter mir: In meiner Heimatstadt Bad Hersfeld  bin ich den 2. Bildungsweg gegangen, habe zunächst den Hauptschulabschluss und dann die mittlere Reife gemacht. Es folgte eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann in einem Einrichtungsgeschäft und  dann das nachgeholte Fachabitur. Zum Studium bin ich nach Köln gegangen und habe Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing und Rechnungswesen studiert. Ein Auslandsjahr verbrachte ich im englischen Middlesbrough, und nach der Diplomarbeit ging 1985 es mehrere Monate zu einem Camp in die USA. Der Übergang in die Arbeitswelt folgte dann ganz schnell. Ich habe lediglich 10 Bewerbungen geschrieben - und bin dann direkt zur Firma P.A. Jansen gegangen.

Sicher wegen des Namens?!

Nein, sicher nicht. (lacht) Wir sind auch weder verwandt noch verschwägert. Das war reiner Zufall. Jansen hat mir als ein Familienunternehmen gefallen. Und ich hatte in meiner Lehre in einem Geschäft für Farben, Tapeten und Fußbodenbeläge gearbeitet – da war Jansen für mich natürlich schon ein Begriff.

Seit 33 Jahren arbeiten Sie für einen Arbeitgeber und sagen „ich möchte keinen Tag davon missen“. Das ist mal eine Aussage in einer recht mobilen Branche. Was macht ein gutes Unternehmen aus?

Mir haben Familienunternehmen immer gefallen –  mit allen Vor- und Nachteilen. Dafür konnte ich viel mitgestalten, als Manager sehr viel entscheiden und recht früh so agieren, als sei es mein Unternehmen. Gut fand ich auch immer die Vielfalt an Tätigkeiten. So lag eine meiner ersten  Aufgaben im Umweltschutz. Dann kam schnell Kostenrechnung hinzu. Die EDV habe ich anfangs mit eingeführt, mich früh mit dem Internet beschäftigt. Sie sprechen gerne von einem solchen „Markenkern“. Braucht jede Firma eine solche Agenda?

Auf jeden Fall. Ein Markenkern gibt Orientierung. Ich kann fokussiert meine Botschaften absetzen. Der Markenkern beschreibt die Unternehmenswerte, die Eigenschaften, das Verhalten – intern und auch  gegenüber den Kunden und in der Kommunikation. Das ist auch psychologisch ganz wichtig.

Und welchen Markenkern könnte ein Verband haben?

Für einen Verband ist das Thema Glaubwürdigkeit ein ganz wichtiger Punkt. Hinter dem Wort Glaubwürdigkeit steckt Vertrauen, Seriosität, Zuverlässigkeit. Und ohne Glaubwürdigkeit ist das Thema Lobbyarbeit überhaupt nicht zu bewerkstelligen.

Sie sind seit Jahren in unserem Verband engagiert. Warum?

Naja, eine Schwäche kleinerer Unternehmen ist die Gefahr, im eigenen Saft zu schmoren. Verbandsarbeit bringt doch immer die Chance, sich mit anderen zu vernetzen und schnell an richtige und relevante Informationen zu kommen. Beim Verband bekommt man Anregungen und ist schnell auf dem Stand der wichtigen Themen. Ich habe früh aktiv mitgearbeitet und Ämter übernommen, weil ich glaube, dass der persönliche Austausch ganz wichtig ist. Nur wer aktiv ist, kann hier weiterkommen, sonst könnte ich auch Zeitung lesen. Beim Verband kann ich Information hinterfragen und die eigene Position austesten. Ich kann mich hier auch mit einer ganz anderen Qualität vernetzen. Der Verband sucht immer Akteure, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Solche Positionen sind nicht schnell zu besetzen. Ich war jung und wollte weiter Erfahrungen sammeln.

 

„Für einen Verband ist das Thema Glaubwürdigkeit ein ganz wichtiger Punkt.

Hinter dem Wort Glaubwürdigkeit steckt Vertrauen, Seriosität, Zuverlässigkeit.“

 

In welchen Funktionen waren Sie tätig?

Ich habe im Wirtschaftsrechtsausschuss angefangen. Ein Ausschuss, der sich mit aktuellen Wirtschaftsthemen beschäftigte und mit rechtlichen Fragen und Problematiken der Branche. Gedacht war der Ausschuss als Beratungsgremium für Präsidium und Geschäftsleitung. Zeitgleich habe ich in der Bezirksgruppe Rhein-Main angefangen und später deren Vorsitz übernommen. Die Fachgruppe Bautenanstrichmittel war für mich der wesentliche Bereich. Ich gehöre zu den Menschen, die Aufgaben übernehmen, wenn sie gefragt werden.

Solche Menschen gehen auch oft in die Politik …

Ich bin kein Politiker und werde auch nie in die Politik gehen. Ich bin ein politischer Mensch, aber stehe fern von Parteipolitik.

Was sagen Sie jemanden, der keinen Verband zu brauchen glaubt, der lieber alleine kämpft?

Es gibt Unternehmen, die sind groß genug und haben gezeigt, dass sie keinen Verband brauchen. Aber gerade Mittelständler profitieren von einem solchen. Wir haben extrem profitiert. Was man daraus macht, bleibt dann jedem selbst überlassen.

Was ist für Sie das Besondere an der Farbenbranche?

Ich bin mit dieser Branche seit dem 15. Lebensjahr verbunden. Das Thema Farben und Lacke liegt mir einfach, und ich habe es von der Produktseite kennengelernt, die Produkte selbst verarbeitet, vertrieben und verkauft. Es ist eine ganz spezielle Branche. Ich glaube schon, dass sich die Farbenindustrie dadurch auszeichnet, dass die Mitglieder – bei aller Konkurrenz – Kollegialität und großes Engagement zeigen. Das hat jetzt auch wieder die Teilnehmerzahl auf der Mitgliederversammlung in Dresden gezeigt. Wir haben eine große Bereitschaft, miteinander zu kommunizieren, gemeinsam die Dinge zu bewegen.

Apropos speziell: Spielt hier für Sie die Verbindung aus Wirtschaft und Ästhetik oder Wirtschaft und Kunst eine besondere Rolle?

Ich sehe das eigentlich eher technisch. Unsere Aufgabe ist es, tolle Lacke und Farben zu produzieren und gut zu verkaufen. Ich sehe uns nicht vor dem Hintergrund der Ästhetik. Auch wenn mir persönlich Malerei sehr viel Spaß macht, und ich mir auch alte und neue Meister anschaue.

Sie stehen einem  Verband mit einer unterschiedlichen Mitgliederstruktur vor, und wir befinden uns in wirtschaftlich unruhigem Fahrwasser. Was fasst das neue Präsidium zuerst an?

Der Verband ist nicht für die Marktentwicklung verantwortlich. Als Präsident geht es mir darum, dass wir als  Organisation gegenüber Politik und Öffentlichkeit unsere Standpunkte zum Wohle der Mitglieder vertreten. Wir können das anders machen als die Einzelunternehmen: Sachlich, kompetent und auch glaubwürdig rüberbringen, dass wir verantwortlich gegenüber der Umwelt einen gesellschaftlich wichtigen Part in dieser Wirtschaft spielen.

Wo sehen Sie in der Industrie aktuell Probleme?

Die heißen Eisen sind stoffpolitische Themen, im Moment Titandioxid und Konservierungsmittel. Hier werden wir in eine Ecke gedrückt. Wir haben uns zum Beispiel sehr stark um das Thema Lösungsmittelreduzierung gekümmert, haben auf wasserbasierte  Produkte gesetzt. Und jetzt, da der Wandel vollzogen ist, kommt man und fragt „Wie könnt ihr nur mit Konservierungsmitteln arbeiten?!?!“ Wir werden für Probleme verantwortlich gemacht, die an anderer Stelle entstehen, dann aber kritisch beäugt, weil Konservierungsmittel eben auch bei uns eingesetzt werden. Das ist natürlich ärgerlich.

Was halten Sie denen entgegen, die sagen: „Pech, ihr seid nun mal Chemie“?

Wir sind Chemie, und wir müssen uns weiter verantwortlich fühlen. Aber ich denke schon, dass man mit gleichen Maßstäben messen muss. Und da frage ich, warum Konservierungsmittel in Lippenstiften erlaubt sind, die angeblich in Farben zu Problemen führen, obwohl ich sie mir nicht jeden Tag auf die Haut schmiere.

Wo glauben Sie steht die Lackbranche in 20 Jahren?

Ich glaube, dass die Lack- und Druckfarbenindustrie gute Chancen hat, in 20 Jahren gut dazustehen. Beschichtungsstoffe werden immer gebraucht, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich an diesem Bedarf so viel ändert. Unsere Branche hat eine enorme Innovationskraft und die Weiterentwicklung findet jeden Tag auf hohem Niveau statt. Vor allem bei funktionalen Beschichtungsstoffen wird sich noch viel tun, da ist noch nicht alles zu Ende gedacht. Schutz wird weiter wichtig sein, der Bereich Hygiene ist ein Zukunftsfeld, und unser Projekt „Rendering/ CODES“ in der Fachgruppe Putzdekor hat ja gezeigt, dass die Städte sich entwickeln und welchen Beitrag Farben und Putze etwa zum Klimaschutz und zur Stadtentwicklung zu leisten imstande sind.

Gab es in Ihrem Leben so etwas wie einen Meilenstein oder eine Weiche, die sich gestellt hat?

Außer den privaten Meilensteinen wie meiner Hochzeit 1988 und Geburt der beiden Söhne  war ein wichtiger Punkt sicher die Berufung zum Geschäftsführer. Ich war 1992 noch sehr jung, und die Auswirkungen waren mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Das war mit Risiken verbunden, denn hinter diese Position kommt man nicht zurück. Damals habe ich aber die Gefahren und Grenzen nicht gesehen, ein Scheitern wäre ja jederzeit möglich gewesen. Ob es mich damals beeinflusst hätte, weiß ich nicht. Ich wollte ja Geschäftsführer werden.

Dann würden Sie sich also als risikofreudig bezeichnen?

Ja, auf jeden Fall.

Was sind für Sie bei Menschen unverzichtbare Charakterzüge?

 Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit aber auch Leistungsorientierung. Ich finde auch Siegeswillen immer spannend. Ich selbst habe Herausforderungen immer gerne angenommen. Ich glaube, dass ich ganz gerne im Fokus stehe. Dies bedeutet ja auch immer Entwicklung und die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Mir hat das im Leben auf jeden Fall immer geholfen, auch wenn ich mich manchmal überwinden musste.

Und womit kommen Sie gar nicht zurecht?

Mit nicht gehaltenen Versprechen, mit Ungerechtigkeiten. Dann versuche ich zwar die Dinge sachlich und nüchtern zu sehen, aber eigentlich bin ich doch ein emotionaler Mensch. Ich kann mich auch ziemlich aufregen und aufbrausend werden.

Lässt Ihnen der Job noch Zeit für Hobbys?

 Sogar für mehrere: Ich fahre gerne Mountainbike. Das ist mein sportlicher Ausgleich, da arbeite ich mich ab. Ich muss mindestens einmal in der Woche aufs Rad und mich bewegen, sonst fühle ich mich unwohl. Dann tanze ich gern mit meiner Frau Anne Kathrin – Standardtanz.  Seit 30 Jahren pflegen wir dieses gemeinsame Hobby. Das ist ein toller Ausgleich und hat auch einen sportlichen Aspekt. Und schließlich fotografiere ich noch gerne. Das bedient meine kreative Ader. Meistens fotografiere ich Landschaften und Detailaufnahmen, hier können Sie auch eine Verbindung zu Farben finden (lacht).

Wenn Sie eines Tages genug Zeit hätten, um andere Dinge zu tun. Was steht sofort auf der Agenda?

Reisen, reisen, reisen. Reisen ist das Tollste. Als erstes stünde Südafrika an. Aber auch Segeln hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, als ich das letztes Jahr ausprobiert habe. Da könnte ich mir auch einige Unternehmungen vorstellen.

 Haben Sie für sich einen besonderen Ort?

 Im letzten Urlaub in der Schweiz war es traumhaft schön, aber einen Traumort, den habe ich nicht.

Aber eine  Lieblingsfarbe müssen Sie doch haben?

Das ist schwierig. Aber je länger ich drüber nachdenke: dann ist es wohl blau. Warum? Vielleicht weil ich mich so sehe. Blau gibt Klarheit und Orientierung. Blau steht für Sachlichkeit. Ja, RAL 5010 oder sowas – Enzianblau. So ein Blau.