Verfügbarkeit wichtiger Rohstoffe – Titandioxid

März 2017

Französischer Vorschlag zur Einstufung von Titandioxid als potentiell krebserregend
Frankreich hat bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA eine harmonisierte Einstufung von Titandioxid als wahrscheinlich kanzerogen (Kategorie 1B und H350i - Kann bei Einatmen Krebs erzeugen) vorgeschlagen. In einer breiten Konsultation zu dem Vorschlag hat sich zwar die weit überwiegende Mehrheit der Teilnehmer gegen eine Einstufung ausgesprochen, allerdings haben Behörden aus Belgien, Dänemark, Schweden, den Niederlanden und teilweise auch Deutschland Unterstützung für den Vorschlag signalisiert. Der zuständige Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) hat nun bis spätestens November 2017 Zeit, eine Empfehlung für die Entscheidung im REACH-Ausschuss zu erarbeiten.

Vorschlag ist toxikologisch zweifelhaft
Der französische Vorschlag stützt sich insbesondere auf eine 30 Jahre alte Untersuchung, die nach heutigen Maßstäben höchst fragwürdig ist, weil darin mehrere Ratten über zwei Jahre hinweg sehr hohen Konzentrationen von staubförmigem Titandioxid ausgesetzt wurden - was bei den Ratten zu einer partikelbedingten Lungenüberlastung geführt hat. Nach den Leitlinien von ECHA und OECD wäre eine solche Untersuchung heute nicht mehr zulässig, daraus gewonnene Ergebnisse dürften nicht auf den Menschen übertragen werden. Schließlich haben jahrzehntelange Untersuchungen an über 20.000 Arbeitern in Titandioxid-Fabriken gezeigt: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Exposition und dem Risiko für Lungenkrebserkrankungen. Auch den Berufsgenossenschaften ist kein anerkannter Fall einer Berufskrankheit durch Titandioxid bekannt.

Titandioxid ist einer der wichtigsten Rohstoffe für Farben und Lacke
Die Lack- und Druckfarbenindustrie ist mit 57% der größte Abnehmer von Titandioxid. Aufgrund des hohen Licht-Streuvermögens seiner Kristalle hat Titandioxid die höchste Deckkraft aller Weißpigmente und ist bei der Herstellung von weißer Wandfarbe und Buntfarbtönen unverzichtbar. Eine Einstufung als kanzerogen 1B hätte weitreichende Folgen für Einsatz, Arbeitsschutz und Verkauf von Gemischen mit Titandioxid: So dürften etwa Farben und Lacke mit Titandioxid nicht mehr an private Endverbraucher verkauft werden und würden aus Baumärkten verschwinden. Druckfarben mit Titandioxid dürften nicht mehr auf Lebensmittelverpackungen verwendet werden. Außerdem wären Farbreste und Bauschutt mit einer Konzentration von ≥ 0,1 % Titandioxid-Anteil als gefährlicher Abfall einzustufen.

Dafür setzen wir uns ein:

  1. Keine Einstufung von Titandioxid als kanzerogen
    Titandioxid wird in unserer Industrie seit Jahrzehnten sicher verwendet. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, der auf eine karzinogene Wirkung beim Menschen hindeutet.
    Es ist daher nicht gerechtfertigt, Titandioxid als wahrscheinlich krebserzeugend einzustufen.

  2. Europäische Harmonisierung der Staubgrenzwerte am Arbeitsplatz
    Die diskutierten Risiken beruhen allein auf einer inhalativen Staubexposition. Diese sind
    jedoch nicht stoffspezifisch für Titandioxid, sondern charakteristisch für eine Vielzahl von Stäuben (z. B. auch Kohlenstaub). Statt der vorgeschlagenen Einstufung von Titandioxid sollte über Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes in Europa nachgedacht werden, z.B. durch eine Harmonisierung der Staubgrenzwerte am Arbeitsplatz.

PDF-Download: OnePager Titandioxid deutsch März 2017

PDF-Download: OnePager Titanium dioxide english March 2017

Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V.
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