Gewässerschutz bei der Lagerung, Produktion und Verarbeitung von Lacken und Druckfarben

Oktober 2017

Neue bundeseinheitliche Regelung zum Gewässerschutz 

In Deutschland wurden Stoffe und Gemische bislang auf Grundlage von Länderanlagen-verordnungen (VAwS) und der Verwaltungsvorschrift wassergefährdende Stoffe (VwVwS) in Wassergefährdungsklassen (WGK) eingestuft. Im August 2017 ist die bundeseinheitliche Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) in Kraft getreten. Alle bisher durch die Verwaltungsvorschrift eingestuften Stoffe, sowie alle in der sogenannten Rigoletto-Datenbank des Umweltbundesamtes aufgeführten Stoffe gelten durch ihre Veröffentlichung im Bundesanzeiger seit dem 10. August 2017 als rechtsverbindlich eingestuft.

Einstufung spezieller Azofarbstoffe und -verbindungen als stark wassergefährdend

Mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger ist auch die Einstufung von Azofarbstoffen und Azoverbindungen mit einer potentiell durch reduktive Azospaltung freisetzbaren, krebserzeugend eingestuften Aminkomponente als stark wassergefährdend (WGK 3) rechtsverbindlich geworden, die die Kommission zur Bewertung wassergefährdender Stoffe (KBwS) im Oktober 2014 vorgeschlagen hatte. Dies hat zur Folge, dass insbesondere die namentlich genannten Pigmente Gelb 174, Gelb 13, Gelb 12, Gelb 14, Gelb 83, Gelb 106, Gelb 114, Gelb 127, Orange 34, Orange 13 und zwei Mischsyntheseprodukte in WGK 3 einzustufen sind. Gleichzeitig sind damit Lacke und Druckfarben, die diese Pigmente mit mehr als 3 Prozent enthalten, in WGK 3 einzustufen. 

Einstufung sowie notwendige Umrüstungen wissenschaftlich nicht gerechtfertigt 

Die Einstufung der Azopigmente und die damit verbundene Einstufung von Farben und Druckfarben in WGK 3 ist aus unserer Sicht wissenschaftlich nicht gerechtfertigt: Die Azopigmente selbst sind weder krebserzeugend noch toxisch und ihrem Wesen nach nicht wasserlöslich. Die Einstufung der Azopigmente in WGK 3 wurde aus der Begründung der MAK-Kommission zur Festlegung  des Arbeitsplatzgrenzwertes für Azofarbstoffe abgeleitet. Diese Begründung wird derzeit im Hinblick auf ihre Gültigkeit für Azopigmente überprüft. Die Einstufung führt zu einer deutlichen Erhöhung der Gefährdungsstufe der Anlagen, in denen mit den Pigmenten und Farben umgegangen wird und damit potentiell zu notwendigen Umrüstungen an Schutzvorkehrungen der Anlagen.

Dafür setzen wir uns ein:

  • Erneute Prüfung der Einstufung und gegebenenfalls Rücknahme 
    Die Einstufung der Azopigmente wird mit dem MAK-Eintrag zu Azofarbstoffen begründet, der derzeit im Hinblick auf Azopigmente durch die MAK-Kommission überarbeitet wird. Hierdurch ist es wahrscheinlich, dass in dem MAK-Eintrag eine Klarstellung aufgenommen wird, dass Azopigmente nicht die gleichen Merkmale aufweisen wie Azofarbstoffe. Nach der Überarbeitung muss die WGK-Einstufung erneut geprüft und gegebenenfalls zurückgezogen werden.


  • Keine technischen Umrüstungen vor endgültiger Klärung
    Bei Forderungen zur technischen Umrüstung von Anlagen aufgrund der WGK-Umstufung der Pigmente sollte in Behördengesprächen die Sachlage diskutiert werden, mit dem Ziel, eine Umrüstung vor endgültiger Klärung der Rechtslage zu vermeiden. Dazu kann auf die Verbandsunterlagen zurückgegriffen werden.


 Download: OnePager Gewässerschutz Oktober 2017


Ihr Ansprechpartner zum Thema Gewässerschutz im Verband:

Kathrin Mohr
Verband der deutschen
Lack- und Druckfarbenindustrie e.V.
Tel.: +49 (0) 69 2556 1708
Mail: mohr@vci.de