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Gastbeitrag "Farbe bekennen": "Es muss mehr für's Image getan werden"

|   Lack im Gespräch

In dieser Rubrik möchten wir in Gastbeiträgen  den Blick von außen auf  die Farbenindustrie richten: diesmal  aus der Redaktion der Fachzeitschrift  „FARBE UND LACK“ des Vincentz  Network:

Die Überschrift bezieht sich nicht auf das typische Gespräch an der Fleischtheke.   Es geht hier um die Farben- und Lackbranche.   Es darf nicht nur, sondern es   muss unbedingt mehr sein. Ich spreche   hier die Außenwirkung der Branche an.   Wir alle, die mit Farben und Lacken   tagtäglich zu tun haben, wissen wie   wichtig die Branche und deren Produkte   sind. Aber ist das in der Gesellschaft, der   Öffentlichkeit genauso? Ich bezweifle   das. Und wenn Sie ehrlich zu sich selbst   sind, stimmen Sie mir zu.

DIE BRANCHE HAT EIN  IMAGE-PROBLEM

250 Unternehmen, 8 Milliarden Euro   Umsatz, 25.000 Mitarbeiter: Nur leider   weiß es kaum jemand, der nicht dazugehört.   Verknöchert, altmodisch und   konservativ. Diese Adjektive höre ich oft   im Zusammenhang mit der Farben- und   Lackbranche. Nicht nur von Außenstehenden.   Umso erstaunter war ich über   das Ergebnis der Umfrage unter den  Verbandsmitgliedern, die während der   letzten VdL-Jahrestagung vorgestellt   wurde: Ein modernerer Auftritt und die   Digitalisierung seien nicht so wichtig.   Dem widerspreche ich! Dass ich nicht   alleine mit dieser Meinung bin, zeigen   auch die Aktivitäten des VdL. Der   Verband tritt frischer auf, hat nun eine   moderne Website und kommuniziert auf   mehreren Kanälen mit aussagekräftigen   Infografiken. Ein mutiger Schritt, der sich   auszahlt. Es wirkt alles sehr ansprechend.

SELBSTBEWUSSTSEIN UND MIT FAKTEN PUNKTEN
 
Ein Thema wird nicht erst seit gestern in   den Unternehmen als massives Problem   gesehen: der Fachkräftemangel. Dem   kann aber nur durch einen modernen   Auftritt entgegengewirkt werden. Denn   die jungen Leute müssen für diese   Branche begeistert werden. Dazu gehört   eine moderne Ansprache. Die Branche   kann ihnen viele Perspektiven bieten, sie   hat Zukunft und wird nicht so schnell wie   VHS-Kassetten vom Markt verschwinden   – falls die Jugend überhaupt noch weiß,   was das ist. Die Verdienstmöglichkeiten   sind auch gut und liegen weit über dem   bundesdeutschen Durchschnitt.  Alles Vorzüge, die über die richtigen Kanäle   und im modernen Format kommuniziert   werden müssen, um die Zielgruppe der   jungen Menschen zu erreichen. Deren   Wirklichkeit spielt sich aber immer   stärker in der digitalen Welt ab. Sich   hiervor zu verschließen, wäre fatal. Das   ist so, als würde man ein unlackiertes   Auto kaufen.

ES MUSS MEHR GETAN WERDEN
  
Mit dem Workshop „Colours of Future“   geht es schon in die richtige Richtung.   Es wäre dennoch zu wünschen, dass die   Branche noch stärker aktiv wird. Ein   Beispiel wäre etwas in der Art des    europäischen Projekts Hypatia, das junge   Frauen und Mädchen für MINT-Fächer   begeistern soll, denn weibliche Arbeitskräfte   sind in der Branche noch deutlich   unterrepräsentiert. In Zeiten des Fachkräftemangels,   sollte man Potenziale   nicht ungenutzt lassen. Das Image muss   aufpoliert werden, um junge Menschen   für sich zu gewinnen. Die Voraussetzungen   für ein positives Image sind doch   da, warum nutzt man sie nicht? Hier darf   es definitiv mehr sein. Zumindest mehr,   als bisher getan wurde.  

GEMEINSAM STARK
  
Es ist gut, dass der VdL, als Sprachrohr   der Branche, den modernen Weg   einschlägt. Es bleibt aber noch ein weiter   Weg. Um dabei erfolgreich zu sein,   müssen auch die Mitgliedsfirmen miteinstimmen.   Die alte Binsenweisheit   „Gemeinsam ist man stärker“ trifft doch   meistens zu. Im jüngsten Fall zum Thema   Titandioxid zeigt sich doch, was ein   starker Branchenverband erreichen   kann.   Auch wenn das Thema noch nicht vom   Tisch ist, kann sich zumindest ein Teilerfolg   sehen lassen. Ohne gemeinsame   Stimme hätten wir sicherlich schon ein   Verbot. Daher ist es für mich auch   essentiell, dass ein wichtiger Branchenverband   alle Akteure unter einem Dach   vereint.   Organsiert im Verband sind nur rund   90 % aller Farben- und Lackhersteller.   Nicht nur kleine Firmen, sondern auch   einige dicke Fische sind zu einer   Mitgliedschaft aber nicht bereit.

VERBAND SOLL IN DIE OFFENSIVE
  
Es bleibt zu hoffen, dass der Verband   und/oder die Gemeinschaft hier in die   Offensive gehen. Denn eine vollends   geeinte Branche hat eine deutlich höhere   Strahlkraft und eine lautere Stimme. Für   die Außenwirkung wäre es definitiv ein   Volltreffer. Diesbezüglich heißt es von   meiner Seite: „Es muss es einfach mehr   sein“.  

Damir Gagro
Vincentz Network  

 

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