VdL-Richtlinie für 2-komponentige organische Beschichtungen im Trinkwasserbereich

Zum Schutz und zur Steigerung von Gebrauchseigenschaften (Reinigungsfähigkeit,
Mischwässer, abrasive Betriebszustände usw.) werden Trinkwasserbehälter aus
Stahl und Beton mit organischen Beschichtungsmaterialien ausgekleidet.

Arbeitsschutz
Die Einzelkomponenten der Reaktionskunststoffe haben im unausgehärteten Zustand
häufig gesundheitsrelevante Eigenschaften. Die entsprechenden Angaben
finden sich in den Sicherheitsdatenblättern, den technischen Merkblättern und den
Gefahrstoffkennzeichnungen auf den Gebinden. Weiterführende Angaben finden sich
in der Literatur der Berufsgenossenschaften.

Allgemeine Verarbeitungsgrundsätze
Zwei-Komponenten Materialien müssen genau dosiert werden. Die Komponenten
werden in der Regel in aufeinander abgestimmten Gebinden mit dem richtigen Mischungsverhältnis
geliefert. Beim Anmischen von Teilgebinden müssen die Füllstoffe/
Pigmente enthaltenden Komponenten zuvor gründlich aufgerührt werden, und
das Mischungsverhältnis ist durch Abwiegen mit ausreichend genauen Waagen einzuhalten.
Anschließend muss sorgfältig und gründlich gemischt werden. Die Mischzeiten
müssen mindestens 3 Min. betragen; Boden und Gefäßwand müssen mit erfasst
werden. Die Mischung ist umzutopfen und erneut zu rühren. Bei Produkten mit
geringen Topfzeiten dürfen die Materialien erst kurz vor der Verarbeitung angemischt
werden. Ein Zusatz von Lösemitteln ist nicht zulässig.
Angemischte Materialien können aufgrund der Reaktivität in größeren Mengen auch
vor Erreichen der Topfzeit hohe Temperaturen erreichen. Das kann zu Verbrennungen
und dem Entstehen gesundheitsschädlicher Dämpfe führen. Die Anmischgebinde
mit entsprechenden Restgehalten sind vorsichtig zu behandeln und frühzeitig aus
dem Arbeitsbereich zu entfernen. Die Entsorgung der Gebinde und Restmengen ist
nach den örtlichen Bestimmungen durchzuführen.

Untergrundvorbehandlung/Oberflächenvorbereitung
Die Oberflächenvorbereitung muss zu einer Oberfläche führen, die frei ist von verbundstörenden
Anhaftungen wie Schmutz, Staub, Öl und Fett. Die Stand-/Betriebssicherheit
muss gesondert betrachtet werden. Allgemein gilt, dass die Untergründe
vor der Applikation der Deckbeschichtung den Anforderungen für das entsprechende
Beschichtungsmaterial und Verfahren entsprechen muss.
Für das jeweilige Beschichtungsmaterial nicht beschichtungsgerechte Untergründe/
Oberflächen müssen ggf. mit systemverträglichen Materialien entsprechend den Material-
und Kundenanforderungen vorbehandelt werden.

Stahloberflächen
Es ist ein Vorbereitungsgrad von Sa 2½ und eine Rautiefe von Rz = 50 µm notwendig.
Korrodierte Oberflächen, Schweißnähte u. ä. sind ggf. vorzuarbeiten.

Mineralische Untergründe
Mineralische Untergründe müssen frei von haftungsmindernden Bestandteilen sein.
Dieser Zustand ist durch unterschiedliche Strahlverfahren zu erreichen, im Bodenbereich
kommen auch Fräsverfahren zum Einsatz. In der Regel ist eine Haftzugfestigkeit
von 1,5 N/mm2 gefordert. Die max. Untergrundfeuchtigkeit kann systemabhängig
sein, üblich ist eine Untergrundfeuchte von < 4 % (CM-Methode). Anhaftende
Verunreinigungen sind nach der Untergrundvorbereitung durch Absaugen oder durch
Abblasen mit trockener Pressluft bei gleichzeitigem Betrieb einer Absauganlage zu
beseitigen, es ist auch ein Abspülen mit Wasser möglich. Bei dieser Methode ist auf
die anschließende Trocknung des Untergrundes zu achten.

Allgemeine Anforderungen
Die Einsatzfähigkeit für Material und Verfahren kann aus Gründen der konstruktiven
Gestaltung, des Gesamtzustandes oder zu erwartender Belastungen eingeschränkt
sein. (Statische Probleme, Wanddickenunterschreitung durch Korrosion, Temperatureinflüsse
oder chemische Belastungen u.a.).

Umgebungsbedingungen
Für eine erfolgreiche Beschichtung sind die Herstelleranforderungen an die Umgebungsbedingungen
wie Luft-, Oberflächentemperatur, Luftfeuchtigkeit und Taupunkt
einzuhalten.

Die Messungen dieser Parameter muss regelmäßig erfolgen und in sinnvollen
Abständen wiederholt werden. Besonders sind ungünstige oder rasch wechselnde
Witterungsbedingungen zu berücksichtigen. Die max. rel. Luftfeuchtigkeit darf, unabhängig
vom Taupunkt, den vom Hersteller genannten Wert nicht überschreiten.
Sie muss mindestens < 80 % rF betragen und die Oberflächentemperatur muss
mindestens 3° C über dem Taupunkt liegen.

Zu beachtende Normen:
Stahl: DVGW Arbeitsblatt W 628, UBA-Beschichtungsleitlinie, DVGW Arbeitsblatt
W 270, DIN EN ISO 12944 Teil 1-4, Tabelle 1 dieses Merkblattes.
Mineralische Untergründe: UBA-Beschichtungsleitlinie, DVGW Arbeitsblatt W 270,
DIN 28052 T1-3, DAfStb-Instandsetzungsrichtlinie, Tabelle 2 dieses Merkblattes.