Ausschlusspolitik für Druckfarben und zugehörige Produkte


3. Ausgabe, November 2016

Einleitung

Die Druckfarbenindustrie in Europa hat sich seit 1996 verpflichtet, eine freiwillige gemeinsame Ausschlussliste für bestimmte Rohstoffe (Stoffe und Gemische ) für die Formulierung von Druckfarben und zugehörigen Produkten einzuhalten. Diese Ausschlussliste basierte auf der gefahrstoffrechtlichen Einstufung der Rohstoffe und/oder auf vorhandenen toxikologischen Er-kenntnissen. Damit dient sie dem  Schutz der Gesundheit der Arbeitskräfte in der Druckfarben- und der Druckindustrie und trägt zur sicheren Verwendung von Druckerzeugnissen bei. Basie-rend auf Fortschritten in den wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde sie fortlaufend aktualisiert und gepflegt, um auf allen Stufen der Druckfarbenherstellung und -verwendung ein konsistenten Sicherheitsniveau sicherzustellen.

Obgleich dieser freiwillige Ansatz, der auf den intrinsischen Gefahreneigenschaften der Stoffe fußt, von großem Nutzen für Druckfarbenhersteller, Drucker und deren Kunden ist, wird er zu-nehmend vom Risikomanagement chemischer Stoffe unter REACH  abgelöst. Mit der Zeit wer-den alle Stoffe bewertet worden sein und die gefährlichsten werden geeigneten europäischen Regulierungsmaßnahmen unterliegen; dennoch erfüllt der EuPIA-Ansatz weiterhin seinen hohen Nutzen, wenn er entsprechend angepasst wird.

Grundsätze

Das Konzept der Ausschlusspolitik wird nach den folgenden Prinzipien angewandt:

  1. Die EuPIA-Ausschlusspolitik findet Anwendung auf die Herstellung und die Bereitstellung aller Arten von Druckfarben und zugehörigen Produkten, für die Verwendung in allen Anwendungsbereichen und auf jedem Bedruckstoff. (Beachten Sie, dass bei bestimmten Anwendungen zusätzlich zur Ausschlusspolitik weitere Anforderungen gelten können.)

  2. Auch wenn die EuPIA-Ausschlusspolitik keine Verpflichtung im rechtlichen Sinne dar-stellt, findet sie die volle Unterstützung aller EuPIA-Mitgliedsunternehmen. Von neuen EuPIA-Mitgliedsunternehmen wird selbstverständlich ebenfalls erwartet, dass sie die Ausschlusspolitik befolgen. Ihnen wird eine Übergangsfrist von sechs Monaten einge-räumt, innerhalb derer das Konzept umzusetzen ist. Druckfarbenhersteller, die kein Eu-PIA-Mitglied sind, sind aufgefordert, die Kriterien der Ausschlusspolitik ebenfalls anzu-wenden.

  3. Die EuPIA-Ausschlusspolitik ist als Ergänzung zu einschlägigen Rechtsvorschriften an-zusehen. Jegliche Regulierungsmaßnahmen von Stoffen (z. B. Zulassung oder Be-schränkung unter REACH) haben Vorrang vor den folgenden Grundsätzen.

  4. Rohstoffe, die durch diese Politik ausgeschlossen werden und daher bei der Formulie-rung von Druckfarben vermieden werden müssen, sind solche Stoffe oder Gemische, die in eine oder mehrere CLP-Gefahrenklassen/-kategorien, die in den Gruppen A und B der folgenden Seite gelistet sind, eingestuft sind. Diese Rohstoffe werden unter nor-malen und vorhersehbaren Verwendungsbedingungen bei der Herstellung und Anwen-dung von Druckfarben als eine Gefahr für die Gesundheit angesehen.

  5. Weiterhin sind die in den Gruppen C bis G genannten Stoffe (Anhang 1) von der absicht-lichen Verwendung ausgeschlossen. Dies ist unabhängig davon, ob sie unter die Ge-fährlichkeitskriterien der Gruppen A oder B, wie unter Punkt 4 beschrieben, fallen.

  6. Die meisten der in Druckfarben verwendeten Rohstoffe werden unter industriellen Be-dingungen hergestellt und können unvermeidbare Verunreinigungen - zumeist allerdings nur in geringfügigen Mengen - enthalten. Für den Fall, dass einige dieser Verunreini-gungen unter die Kriterien der Ausschlusspolitik fallen, werden alle Anstrengungen in-nerhalb der Lieferkette unternommen, diese auf ein Minimum zu begrenzen.

  7. Aus bestimmten anwendungstechnischen Gründen kann es bei einzelnen Druckfarben erforderlich sein, einen Rohstoff zu verwenden, der einen Stoff enthält, der in Anhang 1 genannt ist, oder in Gruppe A oder B eingestuft wurde. Diese Ausnahme kann nur an-gewendet werden, wenn die Konzentration des Stoffes im Rohstoff geringer ist als der Konzentrationsgrenzwert, ab dem der Rohstoff wie unter Punkt 4 beschrieben eingestuft und gekennzeichnet wird.

    Eine Entscheidung, einen Rohstoff gemäß Punkt 7, erster Absatz  zu verwenden, soll nur getroffen werden,

    • wenn keine passenden, alternativen Rohstoffe verfügbar sind.
    • nachdem eine geeignete Risikobeurteilung des Herstellungsprozesses der Druckfarbe durchgeführt worden ist.
    • nachdem eine Risikobeurteilung in Zusammenarbeit mit dem Anwender hin-sichtlich der Anwendung und des Gebrauchs des Druckproduktes durchge-führt wurde.

  8. Fällt ein Rohstoff, der gegenwärtig verwendet wird, durch Umstufung unter ein Kriterium der Ausschlusspolitik, wird von den EuPIA-Mitgliedsunternehmen standardmäßig erwar-tet, diesen Stoff so bald wie möglich zu ersetzen. Ein Zeitrahmen von sechs Monaten wird im Allgemeinen als angemessen erachtet.

  9. Wenn nach einer technischen Prüfung festgestellt wird, dass ein Rohstoff in bestimmten Bereichen nicht kurzfristig ersetzt werden kann, kann eine Ausnahme von der Substituti-onsverpflichtung nach den folgenden Regeln gewährt werden:
  10. a. Für Gefahrenmerkmale, die in Gruppe A aufgeführt sind, ist die aus-drückliche Zustimmung des Technischen Komitees der EuPIA erforder-lich. Eine Liste der nach diesem Verfahren genehmigten Ausnahmen fin-det sich in Anhang 2.

    b. Für Gefahrenmerkmale, die (nur) in Gruppe B aufgeführt sind, liegt es in der Verantwortung der einzelnen Mitgliedsunternehmen, eine Risiko-bewertung durchzuführen und eine sichere Verwendung (in ihrer eigenen Fertigung, in Kundenanlagen und/oder im fertigen Druckerzeugnis) nach-zuweisen.


  11. Die Mitgliedsunternehmen müssen dem Sekretariat der EuPIA jegliche Nutzung des Ausnahmeverfahrens nach 9a oder 9b mitteilen. Dieses wird die Mitteilungen sammeln und halbjährlich dem Technischen Komitee Bericht erstatten.

  12. Die aktuellen Kriterien der Ausschlusspolitik gelten nicht rückwirkend: Stoffe, die bereits im Rahmen der vorhergehenden Regelungen von der Verwendung ausgeschlossen wurden, können nicht nach obigen Regeln wieder eingeführt werden.

  13. Die EuPIA-Ausschlusspolitik einschließlich der genehmigten Ausnahmen wird regelmä-ßig durch das Technische Komitee überprüft. Das Komitee behält sich Änderungen vor, die durch neue Erkenntnisse in den Bereichen Sicherheit, Gesundheits- und Umwelt-schutz notwendig werden können.

AUSSCHLUSSKRITERIEN

Stoffe und Gemische, die in die folgenden Gefahrenklassen/-kategorien  eingestuft und mit dem entsprechenden Gefahrenhinweis gekennzeichnet sind, dürfen als Rohstoffe zur Herstellung von Druckfarben und zugehörigen Produkten, die an Drucker geliefert werden, nicht verwendet werden:

Gruppe A                                                                           Gruppe B

Akute Toxizität Kat. 1 & 2                                                   -
[H300, H310, H330]                   

Akute Toxizität Kat. 3 (Inhalation)                                      Akute Toxizität Kat. 3 (oral, dermal)
[H331]                                                                                [H301, H311]     

Karzinogen oder mutagen Kat. 1A & 1B                              -
[H350, H340]       

Reproduktionstoxisch Kat. 1A & 1B [H360]                          Reproduktionstoxisch Kat 1A & 1B [H360]
(Stoffe ohne Schwellenwert)                                               (Bei vorhandenem Schwellenwert)       

Spezifisch zielorgantoxisch Kat. 1 [H370]                            Spezifisch zielorgantoxisch Kat. 1 [H372]
(einmalige Exposition)                                                         (wiederholte Exposition)       

 

Anhang 1:      Stoffe, deren absichtliche Verwendung ausdrücklich ausgeschlossen ist
(unabhängig von der Gefahreneinstufung)

 

Gruppe

 

C.        Pigmente und andere Verbindungen, basierend auf: Antimon[1], Arsen, Cadmium, Chrom(VI), Blei, Quecksilber, Selen

 

D.        Farbstoffe:

      Auramin                      (Basic Yellow 2          -           CI 41000)

      Chrysoidin                  (Basic Orange 2 -                   CI 11270)

      Fuchsin                       (Basic Violet 14          -           CI 42510)

      Indulin                         (Solvent Blue 7           -           CI 50400)

      Kresylen Braun          (Basic Brown 4           -           CI 21010)

Andere lösliche Azofarbstoffe, die im Körper bioverfügbare kanzerogene aromatische Amine der Kategorien 1A und 1B gemäß der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 freisetzen können.

 

E.        Lösemittel:

      2-Methoxyethanol (Methylglykol)

      2-Ethoxyethanol (Ethylglykol)

      2-Methoxyethyl-Acetat (Methylglykol-Acetat)

      2-Ethoxyethyl-Acetat (Ethylglykol-Acetat)

      Chlorbenzol

      Dichlorbenzol

      Flüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) wie

      Trichlorethylen, Tetrachlorethylen (Perchlorethylen), Methylenchlorid (Dichlormethan)

      Flüchtige Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW)

      2-Nitropropan

      Methanol (Methylalkohol)

 

F.         Weichmacher:

       Chlorierte Polyaromaten

Chlorierte Paraffine

       Monokresylphosphat

       Trikresylphosphat

       Monokresyldiphenylphosphat

 

G.        Diverse Verbindungen:

      Diaminostilben und seine Derivate

      2,4-Dimethyl-6-t-butylphenol                                                  

      4,4’-Bis(dimethylamino)-benzophenon (Michlers Keton)

      Hexachlorcyclohexan

 

 Anhang 2:      Im Rahmen dieser Politik vom Technischen Komitee der EuPIA genehmigte Ausnahmen

 

1.     Formaldehyd bei der Mikroverkapselung für Duftlacke. Voraussetzung ist es, dass der Restgehalt an Formaldehyd einen Wert von 0,5% w/w in den Mikrokapseln und  0,1 % in dem fertigen Lack nicht übersteigt (bestimmt nach EN ISO 14181-1).

 

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