Wasserbasierte Farben brauchen Schutz

30. August 2017

Der Einsatz von Konservierungsmitteln in Farben und Lacken steht immer wieder in der Kritik. Das jüngste Beispiel ist der Testbericht der Stiftung Warentest zu Wandfarben (Heft September 2017). Folgende Hintergrundinformationen sollen dabei helfen, die dabei aufgeworfenen Aspekte einzuordnen. 

Anders als noch vor 25 Jahren enthalten die meisten Wandfarben keine Lösemittel mehr, sondern hauptsächlich Wasser. Auch bei den Lacken ist der Lösemittelanteil deutlich reduziert worden. Dadurch konnten unter anderem die umweltschädlichen VOC-Emissionen erheblich gesenkt werden. Allerdings hat diese Entwicklung auch eine Kehrseite: Farben und Lacke auf Wasserbasis sind anfällig für mikrobiellen Befall, genauso wie beispielsweise Joghurt. Ohne Konservierungsmittel würden rund ein Drittel der Farben in kurzer Zeit im Eimer verderben, noch bevor sie den Verbraucher erreichen. Für die meisten wasserbasierten Farben ist daher die Konservierung die einzige sinnvolle Art, sie vor mikrobiellem Befall zu schützen.

Die Gruppe der Isothiazolinone gehört zu den wenigen Konservierungsmitteln, die gegen eine Vielzahl von Schadorganismen einsetzbar sind und sich auch kombinieren lassen, um Resistenzen vorzubeugen. Sie kommen bei Farben und Lacken, Reinigungsmitteln aber auch Kosmetika zum Einsatz. Für Ihren Einsatz gelten strenge gesetzliche Vorgaben.

Wandfarben, die mit Isothiazolinonen konserviert sind, können problemlos in Innenräumen verwendet werden. Nur Personen, die eine so genannte Isothiazolinon-Allergie entwickelt haben, man spricht von einer „Sensibilisierung“, sollten auf die Verwendung solcher Farben verzichten.  Aus den Veröffentlichungen des “Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK)” lässt sich abschätzen, dass weniger als einer von tausend Menschen in Deutschland empfindlich auf Methylisothiazolinon, das am häufigsten eingesetzte Konservierungsmittel dieser Gruppe, reagiert. Die meisten dieser Sensibilisierungsfälle lassen sich ursächlich auf den Einsatz von Isothiazolinonen in Kosmetika zurückführen. Aufgrund strengerer gesetzlicher Vorgaben und eigener Anstrengungen der Kosmetikindustrie konnte die Menge der Isothiazolinone in Kosmetikprodukten allerdings erheblich gesenkt werden, wodurch die Sensibilisierungsfälle in Deutschland seit 2014 wieder zurückgehen.

Wie bei Lebensmitteln  kann man Allergiker leider nicht durch Grenzwerte schützen, sondern nur indem man konsequent auf die Allergene hinweist (zum Beispiel “Kann Spuren von Nüssen enthalten”). Seit dem Jahr 2000 hat sich die deutsche Farbenindustrie zu einer Kennzeichnung sämtlicher Isothiazolinone in Wandfarben unabhängig von der Konzentration verpflichtet. Zudem wurden entsprechende Allergiker-Hotlines eingerichtet.

Die Lack- und Druckfarbenindustrie setzt Isothiazolinone nach dem Prinzip „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ ein. Ein kompletter Verzicht auf Konservierungsmittel in allen Farben und Lacken ist  technisch allerdings nicht möglich. Wie auch die Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt, gibt es hervorragende konservierungsmittelfreie Farben für Allergiker. Diese Farben weisen einen erhöhten pH-Wert auf, wodurch sie in Verbindung mit einer hohen Betriebshygiene ohne Konservierungsmittel auskommen. Sie sind für ihre jeweiligen Anwendungsbereiche exzellent geeignet, allerdings nicht in allen Farben und Qualitäten erhältlich. Durch den erhöhten pH-Wert ergeben sich auch technische Einschränkungen im Vergleich zu klassischen Dispersionsfarben: Zum Beispiel können Farben, bei denen die Funktionalität im Vordergrund steht (zum Beispiel Latexfarben, glänzende Lacke, Metallschutzfarben, Holzschutzfarben etc.), nach dem aktuellen Stand der Technik nicht konservierungsmittelfrei hergestellt werden. 

Ohne geeignete Konservierungsmittel wäre die Vielfalt an wasserbasierten Farben und Lacke nicht denkbar. Durch den verantwortungsvollen Umgang der Lack- und Druckfarbenindustrie lassen sich diese konservierte Produkte sicher verwenden.