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Wer etwas über die Geschichte und Gegenwart der Lackindustrie in Deutschland erfahren und im wahrsten Sinne begreifen will, kommt um einen Besuch des Deutschen Industrielack-Museums in Dortmund nicht herum. Das einzigartige Privatmuseum im Dortmunder Hafenviertel ist eine überaus vielfältige und lehrreiche Fundgrube, nicht nur für Kenner der Lack- und Farbenbranche.

Dass dieses einzigartige Privatmuseum überhaupt entstehen konnte und mittlerweile über 6.000 Exponate verfügt, ist vor allem der Leidenschaft und dem Engagement von Thomas Grüner und Volker Bach zu verdanken. 2006 begannen sie, ihre Idee für den Aufbau eines Industrielack-Museums in die Tat umzusetzen, im Januar 2009 wurde der Status als Privatmuseum beurkundet. In dieser Zeit haben sich das umfassende Lackwissen und die jahrzehntelange Sammelleidenschaft von Grüner sowie Bachs Kenntnisse und Erfahrungen bei der Konzeption und Gestaltung eines Museums aufs Beste ergänzt. Und sie haben noch große Pläne für die Zukunft.

In den Kellern und Archiven der Hersteller schlummern Schätze

Ginge es nach Thomas Grüner, würden alle Hersteller von Lacken und Farben in Deutschland sofort im Museum anrufen, sobald ein Umbau, Umzug oder die Auflösung eines Unternehmensstandorts ansteht. „Wir würden uns freuen, wenn Unternehmen mit uns Kontakt aufnehmen, bevor die Container zur Entsorgung bestellt werden“, so Grüner. „Denn uns ist alles heilig, was in den Archiven, Kellern, Laboren und Produktionshallen schlummert: ob alte Produktdatenblätter oder Werbegeschenke, Laborgeräte oder Arbeitsmittel aus der Produktion. Was für die Unternehmen häufig keinen Nutzen mehr hat, kann in vielen Fällen unsere bestehende Sammlung wunderbar ergänzen.“ Die Museumsbetreiber wollen sich damit nicht als Entsorgungsunternehmen anbieten, sondern vielmehr historische Schätze aus der vielfältigen und erfolgreichen deutschen Lackgeschichte bewahren und für die Nachwelt erhalten.

Eindrucksvolles und Anregendes Museumskonzept

Dabei will sich das Industrielack-Museum ganz bewusst von den Konzepten abheben, wie sie vor allem im kommunalen Bereich üblich sind. „Wir wollen ein lebendiges Museum sein, das sich verändert und in regelmäßigen Abständen immer wieder neue Schwerpunkte setzt“, stellt Bach klar. „Wir verstehen uns nicht als rein historisches Museum. Als privat geführtes Industriemuseum wollen wir nicht nur die Vergangenheit dokumentieren, sondern auch zeigen, wie sich die Arbeit in der Lackbranche heute darstellt.“ Dabei konzentriert sich die Ausstellung auf vier thematische Schwerpunkte: Farbstoffe, Labor, Herstellung von Industrielacken und Messtechnik. Unter dem Motto „Sammeln, Bewahren, Forschen und Präsentieren“ haben übrigens auch Gerätschaften ihren Weg in die Ausstellung gefunden, die zwar von findigen Tüftlern in der Industrie ersonnen wurden, sich jedoch letztlich nicht in der Produktion durchsetzen konnten. Indem es auch die Sackgassen industrieller Entwicklungsarbeit zeigt, geht das Industrielack-Museum weit über den üblichen Museums-Standard hinaus und bildet die Entwicklungsschritte einer innovativen und leistungsfähigen Branche realistisch ab, in der deutsche Unternehmen technologisch immer noch führend sind.

Unterstützung durch Lackhersteller

Auch wenn der Besucher bei einem Rundgang die aktuelle Ausstellung außerordentlich vielfältig bestückt findet, so wartet noch ein großer Teil der Exponate auf seine Inventarisierung und Aufbereitung. Zum Teil lagern sie in benachbarten Lkw-Garagen und einem großen Container auf dem Hof vor dem Museum, der beispielsweise eine komplette Sammlung von Messgeräten enthält. „Den größten Teil meiner Zeit nehmen dass Ordnen und Inventarisieren der Exponate sowie die permanente Weiterentwicklung der Ausstellung in Anspruch“, erklärt der 72jährige Bach, dem seine Arbeit sichtlich Freude bereitet. „Man kann seine Zeit als Rentner doch kaum sinnvoller verbringen als etwas Neues und Dauerhaftes wie dieses Museum zu schaffen“, stellt er zufrieden fest. Stolz sind Grüner und Bach auch auf ihre mittlerweile recht umfangreiche historische Fachbibliothek, deren Qualität sogar Besuchern von der Hochschule Niederrhein Respekt abnötigte. Letztens überließ ein Druckfarbenhersteller dem Museum rund drei Tonnen Bücher, und auch der Nachlass des Redakteurs der mittlerweile eingestellten Fachzeitschrift Phänomen Farbe wartet auf seine Auswertung. Für Grüner und Bach und ihre ehrenamtlichen Helfer gibt es also auch in Zukunft genug zu tun.

Unerklärliche Phänomene

Bei aller Erfahrung, über die Grüner bei der Entwicklung, Produktion und Prüfung von Farben und Lacken verfügt, finden sich doch auch Ausstellungsstücke in der Sammlung, deren Sinn und Zweck sich selbst ihm nicht erschließen will. „Wir haben Stücke in unserem Bestand, deren Funktion uns vollkommen schleierhaft ist“, erklärt er. Dabei zeigt Grüner eine Lackdose mit einem Schraubverschluss im unteren Drittel der Dose. „Nichts passt zu diesem Auslauf oder dem Gewinde. Wir konnten bis jetzt keine Erklärung dafür finden, welchem Zweck dieser Auslauf einmal gedient haben soll.“

Nachwuchswerbung aus Begeisterung für die Branche

Seine Leidenschaft für die Welt der Lacke und Farben ist Grüner beim Gang durch das Museum bei jedem Exponat anzumerken. Doch er will mit seinem Museum auch einen Beitrag für die Zukunft der Branche leisten. „Ich sehe dieses Museum auch als Ort, wo wir junge Menschen auf die vielfältigen Berufsbilder in der Lack- und Druckfarbenindustrie aufmerksam machen können“, erklärt Grüner, der selbst in einer Dortmunder Lackfabrik seine Ausbildung machte und sogleich der Faszination von Farben und Lacken erlegen war. Heute ist er selbst Inhaber einer Lackfabrik, die ebenfalls auf dem Museumgelände ansässig ist. „Ich möchte junge Menschen für Naturwissenschaften und Technik begeistern und ihnen zeigen, wie viele interessante und zukunftsträchtige Ausbildungsberufe diese Branche zu bieten hat.“

Viel versprechende Zukunftspläne

Thomas Grüner würde gerne auch Rohstoffhersteller oder Verarbeiter, beispielsweise von Hersteller von Metallverpackungen, in seinem Museum repräsentieren, um tatsächlich die gesamte Bandbreite der Lackherstellung und -anwendung abzubilden. Doch schon jetzt reicht die zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche nicht mehr aus, um alle Schätze aus dem Fundus präsentieren zu können. Die Planungen für eine Vergrößerung laufen bereits. So soll die Ausstellungsfläche im ersten Stock des Museums nahezu verdoppelt werden. Noch fehlen jedoch die entsprechenden finanziellen Mittel für den Ausbau. „Wir haben keine Scheu, uns zu vermarkten, sofern es sinnvoll ist und den Zielen des Museums dient“, erklärt Grüner, der sich ein stärkeres Engagement der Unternehmen der Lack- und Druckfarbenindustrie durchaus vorstellen kann. Schließlich gibt es neben der Lieferung von Exponaten für Unternehmen auch die Möglichkeit, Mitglied im Förderverein „Freund und Förderer des Industrielack-Museum e.V.“ zu werden.

Hinweis:

Das Museum ist nach vorheriger Absprache zu besichtigen.

Kontakt:

Deutsches Industrielack-Museum
Drehbrückenstraße 13
44147 Dortmund
Telefon: 0231-86 433 27
E-Mail: info@industrielack-museum.de
www.industrielack-museum.de