Verfügbarkeit wichtiger Rohstoffe - Titandioxid

Juni 2017

Vorschlag zur Einstufung von Titandioxid als Krebsverdachtsstoff
Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur hat am 8. Juni 2017 auf Basis einer wissenschaftlichen Bewertung empfohlen, das Weißpigment Titandioxid als einen Stoff "mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung beim Menschen" durch Einatmen (kanzerogen Kategorie 2) einzustufen. Die Entscheidung über eine Einstufung liegt bei der Europäischen Kommission und wird für das Frühjahr 2018 erwartet.

Vorschlag ist toxikologisch zweifelhaft
Hintergrund für die Ausschuss-Empfehlung ist die Befürchtung, dass Arbeiter an Lungenkrebs erkranken könnten, wenn sie bei der industriellen Herstellung und Verarbeitung Staubemissionen u.a. von Titandioxid ausgesetzt sind. Titandioxid wird Farben als Pigment zugegeben und ist danach fest in die Bindemittel-Matrix eingebunden. Es kann daher gar nicht eingeatmet werden. Schließlich haben jahrzehntelange Untersuchungen an über 24.000 Arbeitern in Titandioxid-Fabriken gezeigt: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Exposition und dem Risiko für Lungenkrebserkrankungen. Auch den Berufsgenossenschaften ist kein anerkannter Fall einer Berufskrankheit durch Titandioxid bekannt.

Titandioxid ist einer der wichtigsten Rohstoffe für Farben und Lacke
Die Lack- und Druckfarbenindustrie ist mit 57% der größte Abnehmer von Titandioxid. Aufgrund des hohen Licht-Streuvermögens seiner Kristalle hat Titandioxid die höchste Deckkraft aller Weißpigmente und ist bei der Herstellung von weißer Wandfarbe und Buntfarbtönen unverzichtbar. Gleichwertige Alternativen gibt es nicht: Pigmente wie Calciumcarbonat, Zinkoxid, Zinksulfid und Bariumsulfat haben technisch und koloristisch schlechtere Eigenschaften, beispielsweise hinsichtlich Deckkraft und Witterungsbeständigkeit. Eine Einstufung als krebserzeugend Kategorie 2 beim Einatmen hätte weitreichende Folgen für Einsatz, Arbeitsschutz, Verkauf und Entsorgung von Gemischen mit Titandioxid.

Dafür setzen wir uns ein:

  1. Keine Einstufung von Titandioxid als kanzerogen
    Titandioxid wird in unserer Industrie seit Jahrzehnten sicher verwendet. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, der auf eine krebserzeugende Wirkung beim Menschen hindeutet.
    Es ist daher nicht gerechtfertigt, Titandioxid als Krebsverdachtsstoff einzustufen.

  2. Europäische Harmonisierung der Staubgrenzwerte am Arbeitsplatz
    Die diskutierten Risiken beruhen allein auf einer inhalativen Staubexposition. Diese sind
    jedoch nicht stoffspezifisch für Titandioxid, sondern charakteristisch für eine Vielzahl von Stäuben (z. B. auch Kohlenstaub). Statt der vorgeschlagenen Einstufung von Titandioxid sollte über Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes in Europa nachgedacht werden, z.B. durch eine Harmonisierung der Staubgrenzwerte am Arbeitsplatz.


Downloads zum Thema Titandioxid:


 OnePager Titandioxid deutsch (Juni 2017)

 OnePager Titanium dioxide english (March 2017)

 Pressemitteilung "Farbenindustrie kritisiert Einstufungs-Empfehlung zu Titandioxid" 09.06.2017

 Titandioxid-Spezial (3. Auflage, Juni 2017)


Ihr Ansprechpartner zum Thema Titandioxid im Verband:

Frau Aline Rommert
Verband der deutschen
Lack- und Druckfarbenindustrie e.V.
Tel.: +49 (0) 69 2556 1705
Mail: rommert@vci.de